77714

Neue Masche der Spammer: Spam-Blogs

Nach Mails und missbräuchlichen Kommentaren in Blogs entdecken Spammer zunehmend ein neues Betätigungsfeld: Blogs an sich.

Weblogs werden schon seit längerer Zeit von Spammern missbraucht, um das Suchmaschinen-Ranking ihrer eigenen Websites zu verbessern. Zu diesem Zweck fügen sie mittels entsprechender Software automatisch Kommentare in die Online-Journale ein, die Links auf zwielichtige Adressen enthalten.

Während sich Betreiber von Weblogs und die Suchmaschinen gegen solchen Link-Spam immer erfolgreicher wehren, haben die Übeltäter bereits neue und effektivere Methoden für den Missbrauch von Blogs entdeckt. Dies berichtet unsere Schwesterpublikation " Computerwoche ". Anstatt fremde Sites mit Kommentar-Müll zu verstopfen, legen sie ihre eigenen Weblogs an. Dabei kommt ihnen zugute, dass die großen Blog-Hoster aggressiv um Marktanteile kämpfen und potenziellen Kunden das Anlegen von neuen Online-Journalen möglich einfach machen. Dabei verlangen weder Google, Microsoft oder Yahoo Gebühren für die Nutzung ihrer Dienste.

Mittlerweile existieren bereits Programme wie etwa "BlogBurner", die Weblog-Konten bei den großen Hostern automatisch einrichten können. Spammer tun dies in großem Umfang. Die Betreiber der Blog-Suchmaschine Technorati schätzen, dass täglich etwa 70.000 solcher Spam-Blogs ("Splogs") angelegt werden. Sie enthalten eine Reihe von Texten, die auf Websites der Auftraggeber verlinken, um diese in der Gunst der Suchmaschinen zu heben. Typischerweise handelt es sich dabei um Online-Casinos, Porno- und Pharma-Sites.

Der Missbrauch von Weblogs bringt für Spammer aber noch zusätzliche Vorteile: Sie statten ihre Sites mit kontextabhängigen Werbeanzeigen aus, zumeist mit "Google Adsense". Die große Zahl an Sites, die mit einschlägigen Texten gefüllt werden, erhält von den Suchmaschinen zwangsläufig einen gewissen Besucherstrom. Ein bestimmter Prozentsatz davon klickt auf die Online-Werbung und lässt die Kasse der unseriösen Inhaber klingeln.

In den USA wurde Google schon vorgeworfen , dass es bei seinem eigenen Blog-Service "Blogspot" nur zögerlich gegen den überhand nehmenden Missbrauch vorgehe. Der Suchmaschinen-Primus profitiere ebenfalls davon, wenn Adsense-Werbung auf Splogs geklickt werde. Außerdem schütze er seinen Suchdienst gegen solche Sites, indem er eine Sperrfrist für neue Web-Seiten eingeführt habe. Sie bewirkt, dass Google ausgehende Links nur auf solchen Sites wertet, die schon eine gewisse Zeit existieren und regelmäßig aktualisiert werden. Die Konkurrenz von Microsoft und Yahoo habe solche Maßnahmen noch nicht ergriffen, so dass ihre Suchergebnisse durch Splogs stärker beeinträchtigt würden. Daher kämen die Besucher dieser betrügerischen Sites hauptsächlich von den Google-Rivalen, die dem Marktführer auf diese Weise zu Adsense-Einnahmen verhülfen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
77714