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Breitbandförderung soll an IPv6 gekoppelt werden

24.02.2009 | 13:12 Uhr |

Der Deutsche IPv6-Rat fordert eine Verbindung der Breitbandstrategie der Bundesregierung mit einer Forcierung des Internet-Adressstandards IPv6.

"Wenn nun mehr Menschen in Deutschland der Zugang zum schnellen Internet ermöglicht wird, sollte damit hierzulande auch gleich der Umstieg auf die neuen Datenverkehrsregeln des Standards IPv6 verbunden werden", meint Christoph Meinel, Vorsitzender des IPv6-Rates und Direktor des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) . Langfristig ist der Umstieg auf den Nachfolger des aktuellen IPv4-Standards für IP-Adressen nämlich unverzichtbar.

"Der Standard IPv6 ist eine zukunftsweisende Technologie", betont Meinel. Mit der drohenden Erschöpfung des IPv4-Adressvorrats steige der Druck, die neue Protokollversion einzuführen. Schon im Mai 2008 hatte die OECD auf internationaler Ebene zum Umstieg auf IPv6 gemahnt und nun vertritt der IPv6-Rat die Ansicht, dass die staatliche Breitbandförderung auch IPv6 fördern sollte. Die Vergabe der Mittel für den Ausbau des Breitband-Internets solle daran geknüpft werden, dass die Provider den Kunden tatsächlich IPv6-fähige Anschlüsse bieten, so die Forderung.

Computer und Betriebssysteme würden den neuen Standard in der Regel schon beherrschen und die IPv6-Technologie sei längst ausgereift, so Meinel. Auch schränke IPv4 den direkten Datenaustausch zwischen Computern etwa in P2P-Systemen (Peer-to-Peer) ein, die erst mit IPv6 wirklich sicher realisiert werden könnten. "IPv6 ermöglicht P2P ohne Zwischensysteme und mit eigener Verschlüsselung", erklärt HPI-Softwaresystemtechniker Harald Sack gegenüber pressetext. Denn zwei Computer können mit IPv6 definitiv direkt kommunizieren, ohne zwischengeschaltene Systeme wie Router oder Firewalls. Dennoch sperrten sich viele Provider noch gegen eine flächendeckende Umsetzung, so Meinel.

Der Vorschlag des Deutschen IPv6-Rats findet bei anderen Experten Verständnis. "Die Idee, eine Förderung an IPv6 zu koppeln oder IPv6-Ausbauten stärker zu fördern, ist sicherlich sinnvoll", meint Nic.at-Geschäftsführer Richard Wein im Gespräch mit pressetext. Denn es sei zwar klar, dass IPv6 früher oder später kommen wird. "Es gibt noch immer keinen echten Migrationsdruck auf Provider", stellt Wein allerdings klar. Derzeit sei ein IPv6-Ausbau nach wie vor mit Mehrkosten ohne konkreten Ausblick auf Mehreinnahmen verbunden. Das werde sich aber ändern, wenn IPv4-Adressen immer knapper und eventuell zum teuer gehandelten Gut werden. Es existieren Schätzungen, dass die IPv4-Adressen relativ schnell zuneige gehen werden, beispielsweise in China schon im kommenden Jahr.

Der Deutsche IPv6-Rat warnt, dass manche Regionen, beispielsweise in Asien, deutlich weiter in Sachen IPv6 sind. China etwa hat die Olympischen Spiele 2008 genutzt, um die Möglichkeiten von IPv6 zu demonstrieren. Für Deutschland will der IPv6-Rat Mitte Mai einen abgestimmten Aktionsplan für Einführung der nächsten Internetgeneration vorstellen. Der Fahrplan soll im Rahmen des zweiten deutschen IPv6-Gipfels in Potsdam diskutiert werden, wozu hochrangige Vertreter von Regierungen, internationalen Organisationen und Unternehmen geladen sind. (pte)

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