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AT&T will illegalen Dateientausch bekämpfen

21.01.2008 | 13:21 Uhr |

Der Telecom-Riese AT&T will über eine Filtersoftware den illegalen P2P-Datenverkehr auf Netzwerkebene identifizieren und blocken. Nicht nur in den USA sorgt das für Gesprächsstoff.

Das System ist bereits auf Initiative von Filmstudios in Kooperation mit IT-Unternehmen in Eltwicklung. In einem Blog der "New York Times" werden NBC und Microsoft als federführend genannt. AT&T betonte, dass sowohl die via P2P transferierten Inhalte als auch der dabei entstehende Datenverkehr mittlerweile enorme Dimensionen angenommen habe und dadurch auch hohe Kosten verursachen. Laut James Cicconi, Senior Vice President bei AT&T, wird bereits seit Monaten mit Vertretern der Verbände von Musik- und Filmindustrie über mögliche Lösungen zur Filterung des "illegalen" Datenverkehrs diskutiert. Bei den Rechteinhabern findet dieses System erwartungsgemäß Gefallen. "Der Anteil an Daten, die Copyrights verletzen, hat beim P2P-Datenverkehr ein inakzeptables Ausmaß angenommen", argumentiert NBCs Chefjurist Rick Cotton.

Im Einsatz würde die Software Datenpakete scannen, die von einem Anschluss gesendet oder empfangen werden, und überprüfen, ob es sich um Inhalte handelt, die durch ein Copyright geschützt sind. Mithilfe digitaler Fingerabdrücke sollen die Daten als geschützt ausgewiesen werden. Vor allem US-Provider haben sich in der Vergangenheit gegen derartige Bestrebungen der Unterhaltungsindustrie mit dem Argument, es sei technisch nicht machbar, gewehrt. Denn mit der Zustimmung zu einer Filterung würden die Provider auch Verantwortung übernehmen, die sie bis dato nicht wollten.

Wenig erfreut von diesen Bestrebungen sind naturgemäß Bürgerrechtsorganisationen. Sie befürchten, dass derartige Filtertechnologien auch dazu eingesetzt werden könnten, um die freie Meinungsäußerung zu unterbinden. Ferner könnten sie das Internet blockieren. "Der Vorschlag ist offensichtlich ein Ergebnis des permanenten Drucks seitens der Rechteinhaber", meint Kurt Einzinger, Generalsekretär der österreichischen Providervereinigung ISPA , im Gespräch mit pressetext. Allerdings sei die technische Umsetzung der angedachten Lösung schwer vorstellbar. "Selbst Filtersysteme für Terrorwebseiten und Kinderpornographie funktionieren nicht so, wie es wünschenswert wäre", so Einzinger.

In Europa sind derartige Vorstöße kaum vorstellbar. "Das wäre ein Eingriff in bestehende Nutzerrechte und wiederspricht dem Grundsatz, dass der Provider die Privatsphäre des Kunden schützen muss", führt der ISPA-Chef aus. Auf schwarze Schafe würde der freie Markt ohnehin reagieren. Bietet ein Provider seinen Kunden nicht das gewünschte Service in der geforderten Qualität, so bleibt dem Konsumenten immerhin der Schritt des Providerwechsels. (pte)

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