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Napster wehrt sich

28.07.2000 | 23:07 Uhr |

Nach dem Gerichtsbeschluss gegen Napster schlagen die Wellen hoch. Die Mp3-Tauschbörse selbst will sich nicht kampflos geschlagen geben und hat Berufung eingelegt. Die Napster-Nutzer organisieren Proteste und reagieren mit Wut. In den nächsten 24 Stunden wird sich entscheiden, ob Napster tatsächlich dicht machen muss.

Napster will sich nicht kampflos geschlagen geben und hat Berufung gegen den Gerichtsbeschluss vom Mittwoch eingelegt. Diese wurde beim neunten US-Bezirksgericht für Berufungen in San Francisco eingereicht. Sollte der Antrag auf eine schnelle Aussetzung erfolgreich sein, muss Napster am Samstag nicht die Server vom Netz nehmen.

Das Vorgehen der RIAA (siehe Glossar) ist umstritten. Die Vereinigung beklagt große Verluste durch Napster, und belegt dies durch Zahlen. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage unter 2200 Mp3-Fans hat allerdings gezeigt, dass Napster der RIAA sogar mehr Umsätze beschere. Die RIAA erkennt dieses Umfrageergebnis jedoch nicht an.

In der Zwischenzeit verzeichnet Napster einen höheren Zulauf und das obwohl die Hauptnutzer - die Studierenden - derzeit in den Sommerferien sind. Angesichts der drohenden Ausschaltung der Server scheinen die Napster-Jünger ihren Protest mit einem massiven Ausbau des Mp3-Datei-Angebots zum Ausdruck bringen zu wollen. Außerdem nimmt die Zahl der Downloads von Mp3-Dateien zu.

Auf diversen Webseiten finden sich jetzt Boykott-Aufrufe. Darin wird dazu aufgefordert, im August keine CDs mehr zu kaufen. Die Maximum Records in Dallas mobilisierte mehr als 100 Musiker und andere Labels sich Napster anzuschließen und es zu unterstützen.

Nun muss die RIAA auf die Berufung von Napster reagieren. Die Band Metallica reagierte nach dem Gerichtsbeschluss von Mittwoch zufrieden. Bandmitglied Lars Ulrich: "Wir sind erleichtert. Der Begriff ,Austausch´ von Mp3-Dateien ist viel zu nett ausgedrückt. Napster fordert die Nutzer auf, Songs zu duplizieren".

Die Nutzer der Mp3-Tauschbörse bringen dagegen immer offener ihren Unmut gegen die Band zum Ausdruck. "Viele User werden jetzt die Band boykottieren. Sie sind sauer auf die Kleinlichkeit von Metallica", so Napster-Nutzer Jonah Meadows, in einem Interview mit abcNews.

Rapper Chuck D von Public Enemy warf dem Gericht vor, nicht in die Zukunft zu blicken. "Die Regierung tut so, als könne sie stoppen, was Napster begonnen hat. Aber sie kann es nicht", so Chuck D. "Sie kann Napster ruinieren, aber nicht verhindern, dass sich diese Technologie durchsetzt."

Auch ein Vertreter der Musikindustrie äußerte seinen Unmut über den gefällten Gerichtsbeschluss. "Napster hat den Markt verändert und gezeigt, wie Menschen die Musik heute hören wollen", sagte Gene Hoffman von eMusic. (PC-WELT, 28.07.2000, pk)

Umfrage: Napster vor dem Aus?

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