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Napster muss schließen

28.07.2000 | 09:07 Uhr |

Napster muss am Samstag alle Server vom Netz nehmen, bis ein endgültiges Urteil vorliegt. Die Macher von Napster hätten nach Ansicht der Richterin ein Monster geschaffen. Damit hat die Musikindustrie einen ersten Sieg im Rechtsstreit gegen das kleine Unternehmen in Sillicon Valley davongetragen.

Napster muss jetzt am Samstag, den 29. Juli um 0 Uhr alle Server vom Netz nehmen, bis das Gerichtsverfahren abgeschlossen ist. Die Macher von Napster hätten "ein Monster" geschaffen, so Richterin Marilyn Hall Patel vom Bezirksgericht in San Francisco am Ende der gestrigen Anhörung. Damit hat die RIAA (siehe Glossar) einen ersten Sieg im Rechtsstreit gegen das kleine Unternehmen in Sillicon Valley davongetragen.

Napster verstoße massiv gegen Urheberrechte und stelle den Nutzern ein einfaches Mittel zu Verfügung, diesen Missbrauch zu fördern, so Richterin Patel. "Napster hat dieses Programm geschrieben. An Napster liegt es nun, ein Programm zu schreiben, das es Usern verbietet, illegale MP3-Dateien auszutauschen", so die Richterin. Napster müsse nun bis Freitag Mitternacht sicherstellen, dass keine geschützten Dateien mehr ausgetauscht werden können. Laut Napster sei dies aber nicht ohne weiteres möglich, so dass die Server vom Netz genommen werden müssen.

Die unzähligen Downloads von MP3-Dateien mit Hilfe von Napster hätten der Musikindustrie einen bedeutsamen und unersetzbaren Schaden zugefügt, der nicht mehr behoben werden könne. 80 Prozent der angebotene Downloads seien illegal und nach Schätzungen würden bis Jahresende mehr als 70 Millionen registrierte User Napster nutzen. Deshalb sah sich Patel zu ihrer vorläufigen Entscheidung gezwungen. Außerdem warf sie Napster vor, nicht alles Erdenkliche getan zu haben, um die Nutzer zu identifizieren, die mit Hilfe von Napster urheberrechtlich geschützte Musikstücke unters Volk bringen.

Napsters Anwälte sehen die Zukunft des Projektes gefährdet. "Eine gerichtliche Anordnung, die fordert, sicherzustellen, dass geschützte Werke nicht verbreitet werden, lässt sich nur schwer einhalten, ohne wesentliche Bestandteile aus dem Service herauszunehmen", kritisierte David Boies, Rechtsanwalt von Napster. Boies hatte erst kürzlich die Regierung im Verfahren gegen Microsoft als Rechtsanwalt vertreten. Die eigentliche Gerichtsverhandlung im Fall Napster wird noch im Laufe diesen Jahres stattfinden. (PC-WELT, 27.07.2000, pk)

Napster und die Alternativen (PC-WELT-Report)

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