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Napster fehlen noch wirkungsvolle Filter

14.03.2001 | 16:21 Uhr |

Der Musiktauschbörse Napster droht im Wettlauf mit der Zeit eine schwere Niederlage. Eine Filterung der Lieder mit Hilfe der einer Online-CD-Datenbank CDDB könnte die Rettung für Napster sein.

Der Musiktauschbörse Napster droht im Wettlauf mit der Zeit eine schwere Niederlage. Experten gehen davon aus, dass die Technologie der Musiktauschbörse für das Herausfiltern urheberrechtlich geschützter Musiktitel nicht leistungsfähig genug ist, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch.

"Die Filter arbeiten nicht", so ein US-Analyst. Sollte es Napster nicht gelingen, am Mittwoch wie verordnet die geschützten Songtitel zu sperren, droht der Tauschbörse schlimmstenfalls die Schließung.

Die Mitarbeiter arbeiteten derzeit Tag und Nacht, betonte Napster-Chef Hank Barry. Unterdessen seien bereits 115 000 Dateinamen blockiert. Um die geforderten 135 000 Titel zu sperren, müsste Napster jedoch bis zu sechs Millionen Dateinamen blockieren.

Unterdessen zeichnet sich vielleicht die Lösung des Problems ab: CDDB heißt das Zauberwort, mit dem Napster die Filterwirkung verbessern möchte. Der Vorteil: In den ID-Tags sind Informationen über Titel und Interpret der MP3-Datei gespeichert. Da viele Nutzer weltweit ihre Lieder mit Hilfe der Datenbank benannt haben, ist dieser Filter durchaus sinnvoll. Zumal in der Datenbank auch abweichende Schreibweisen der Lieder und Interpreten gespeichert sind. Sogar Cover-Versionen sollen sich damit erkennen lassen.

Neue Lieder werden nur in wenigen Schreibvarianten getauscht, eben genau die, die in der Datenbank gespeichert sind. Der Tausch aktueller Titel würde so erschwert werden. Die Bequemlichkeit vieler Nutzer, ihre MP3-Lieder mit CDDB zu benennen, könnte sich so als Vorteil für Napster darstellen. Allerdings bleibt dieser Filter ebenfalls wirkungslos, wenn der Name völlig anders geschrieben würde. Der Präsident der Firma Gracenote, denen CDDB gehört, gab die Zusammenarbeit mit Napster bekannt.

Ungeachtet aller Filter- und Schließungsdiskussionen um Napster hat die Tauschbörse möglicherweise zum Erfolg einer Band verholfen. Das Lied der Dave Matthews Band "I did it" wurde etwa bereits einen Monat vor dem offiziellen Erscheinen des neuen Albums "Everyday" auf Napster getauscht. Trotzdem, oder gerade deswegen, landete das Album in kürzester Zeit auf Platz eins der amerikanischen Charts. Nach nur einer Woche verkaufte es sich etwa 750.000 mal. (PC-WELT, 14.03.2001, ml)

Napster muss Angebot reduzieren(PC-WELT Online, 12.03.2001)

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