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Napster: Vorbereitungen für die nächste Runde

18.08.2000 | 16:27 Uhr |

Bis zum heutigen Freitag müssen die Anwälte von Napster ihre Einwände gegen das erste Urteil vorlegen. Erst im Juli hatte das Gericht der RIAA Recht gegeben und eine Schließung von Napster angeordnet. Die Schließung konnte in letzter Minute durch einen stattgegebenen Einspruch von Napster abgewendet werden.

Bis zum heutigen Freitag müssen die Anwälte von Napster ihre Einwände gegen das erste Urteil vorlegen. Erst im Juli hatte das Gericht der RIAA (siehe Glossar) Recht gegeben und eine Schließung von Napster angeordnet. Die Schließung konnte in letzter Minute durch einen stattgegebenen Einspruch von Napster abgewendet werden.

"Es stehen jetzt bedeutende Sachverhalte auf dem Spiel", so der Rechtsanwalt von Napster, David Boies. David Boies war in der Vergangenheit Chef-Ankläger für das Justizministerium im Fall gegen Microsoft gewesen. "Dieser Fall wird nicht nur bedeutenden Einfluss auf die Freiheit Musik-Dateien auszutauschen haben, sondern auch darauf, welche Möglichkeiten die Internet-Nutzer in Zukunft haben werden, miteinander Informationen auszutauschen", teilte der Staranwalt weiter mit.

David Boies verwies vor allem auf die Bedeutung von Berufungsgerichten im Rechtssystem. So seien Berufungsgerichte dafür da, um Justiz-Fehler von Bezirksgerichten abzuwenden, sagte der Anwalt in Anspielung auf die Anordnung des Bezirksgerichts die Napster-Server zu schließen. Von Fachleuten wurde diese Entscheidung der Bezirksrichterin Marilyn Patel' als Übereilt eingeschätzt. Dennoch ist man sich einig, dass das Gesetz auf Seiten der Plattenindustrie ist. Seit dem stattgegebenem Einspruch von Napster ist der Ausgang der kommenden Verhandlung offen. Laut Boies habe Napster aber niemals die Chance gehabt, die Fakten im Fall Napster und die verwendete Technologie dem Richter darzustellen. Diese Gelegenheit solle nun genutzt werden.

Mittlerweile nutzen mehr als 20 Millionen Internet-Nutzer Napster als Plattform zum Austausch von MP3-Dateien. Der Haupt-Verteidiger David Boies wird von vielen als ein Held angesehen, der sich für die Konsumenten einsetzt und Napster retten will. Boies: "Es erkennen mich jetzt mehr junge Leute als vor dem Napster-Fall. Und die jungen Leute erfahren immer mehr was ich tue und für wen ich das alles tue. So kommen auch viele auf mich zu. Nicht nur um mir zu danken, sondern auch um mir Unterstützung anzubieten"

David Boies sieht die Situation für Napster eher positiv. "Die RIAA hat die taktische Entscheidung getroffen, Napster - koste es was es wolle - als Tauschprogramm zu zerstören", betont der Anwalt und ergänzt, "ich persönliche empfinde diese Einstellung als einen Fehler".

Napster sei nicht nur ein Musik-Austausch-Programm. Andere Programme wie Gnutella gehen in der Hinsicht weiter. Napster hat allerdings den Vorteil, dass es zentrale Server nutzt. Andere Programme nutzen mittlerweile eine weit "chaotischere" Methode: Sie verbinden die Nutzer direkt und entziehen sich jeglicher Kontrolle. Da erscheint Napster wie ein kleines wehrloses Opferlamm - der dicke Bulle, der eher geeignet wäre, steht als lachender Dritte dahinter. Und an den kommt keiner dran. (PC-WELT, 18.08.2000, pk)

PC-WELT Report: Alternativen zu Napster

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Übereiltes Napster-Urteil (PC-WELT Online, 03.08.2000)

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Napster wehrt sich (PC-WELT Online, 28.07.2000)

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