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Napster: Robin Hood der Gegenwart

11.10.2000 | 20:10 Uhr |

Napster entwickelt sich zu einem Robin Hood der Gegenwart. So stellt eine aktuelle Umfrage fest, dass rund 42 Prozent der Befragten der Meinung ist, dass urheberrechtlich geschützte MP3-Dateien im Internet frei verfügbar sein sollten. Während also der Sheriff von Nottingham - die RIAA - und seine Hilfssheriffs - Metallica & Co. - dem Robin Napster an die grüne Strumpfhosen wollen, hält das Volk zum offensichtlich Schwächeren. Eine Tatsache, die dem Sheriff noch viel Kopfzerbrechen bereiten wird.

Würde der Fall Napster vor einem Geschworenen-Gericht verhandelt werden, ständen die Chancen mehr als gut, das die MP3-Tauschbörse als lachender Sieger den Gerichtssaal verlassen würde.

Das geltendes Recht und das Rechtsbewusstsein der Gesellschaft sich nicht unbedingt decken müssen, zeigt eine aktuelle Umfrage die in der amerikanischen Juristen-Zeitschrift "National Law Journal" veröffentlicht wurde. Danach empfinden rund 42 Prozent der 1000 befragten Teilnehmer über 18 Jahre, dass urheberrechtlich geschützte MP3-Dateien im Internet frei verfügbar sein sollten.

Dabei scheint Napster es geschafft zu haben, sich die Charakterzüge von Robin Hood zu Eigen gemacht zu haben:

Das "kleine" Robin Napster verteilt MP3-Dateien rund um den Globus - kostenlos und uneigennützig. Auf der anderen Seite sind der Sheriff von Nottingham - die RIAA (siehe Glossar) - und seine Hilfssheriffs Metallica & Co., die dem Held des Volkes an die grünen Strumpfhosen wollen.

Dementsprechend fällt auch das Urteil der Bevölkerung aus: Napster hat einen Sympathie-Bonus, der nicht ohne weiteres zu toppen ist. Denn immerhin wurde in der selben Umfrage festgestellt, dass 77 Prozent der Teilnehmer es befürworten, dass Hacker, die in fremde Systeme eindringen, wie Kriminelle zu behandeln seien. Bei Musik-Piraten dagegen, sind sie weniger kritisch.

"Wenn ich ein Anwalt der Unternehmen wäre, deren Urheberrechte verletzt worden sind, würde ich beim Lesen dieser Zahlen besorgt sein", so Patrick Oster, Chefredakteur von "National Law Journal", "Ich müsste darüber nachdenken, ob ich nicht erheblichen Schaden erleiden könnte und dann ernsthafte Alternativen berücksichtigen."

Zudem gab rund die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer an, jede richterliche Anordnung im Falle Napster nicht einhalten zu wollen, wenn sie sich gegen die MP3-Tauschbörse richtet. Eher würde man "das Richtige tun" wollen. So könnte es auch passieren, dass Angeklagte, die wegen einer Urheberrechtsverletzung vor Gericht stehen, von einem Geschworenengericht freigesprochen werden würden.

So bleibt nur eine Frage offen: Wo in dieser Geschichte kommt Robin´s Liebste Maid Marien vor? Aber das ist wieder ein anderes Kapitel. (PC-WELT, 11.10.2000, pk)

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