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Napster: Neue Niederlage

13.02.2001 | 09:41 Uhr |

Die Musiktauschbörse Napster hat vor Gericht erneut eine Niederlage erlitten. Ein Berufungsgericht in San Francisco bestätigte in Grundzügen eine einstweilige Verfügung gegen Napster, die von der Musikindustrie angestrengt worden war. Die Musiktauschbörse muss ihre Server allerdings noch nicht sofort abschalten.

Die Musiktauschbörse Napster hat vor Gericht erneut eine Niederlage erlitten. Ein Berufungsgericht in San Francisco bestätigte in Grundzügen eine einstweilige Verfügung gegen Napster, die von der Musikindustrie angestrengt worden war.

Demnach wird das Internetunternehmen zwar nicht geschlossen, doch äußerten die Richter ernste Bedenken gegen das kostenlose Herunterladen von urheberrechtlich geschützter Musik und machten Napster für die Einhaltung des Urheberrechts verantwortlich.

Napster war von der Musikindustrie wegen Verletzung der Urheberrechte verklagt worden. Mit Hilfe des Napster-Programms kann sich jeder Computernutzer Zehntausende Musiktitel kostenlos über das Internet herunterladen.

Allerdings bezeichneten die Berufungsrichter die einstweilige Verfügung, die eine Schließung von Napster bis zur endgültigen Gerichtsentscheidung vorsah, als "überzogen". Sie verwiesen jedoch darauf, dass Napster Fans wissentlich ermutige, geschützte Musiktiteln aus dem Netz auf ihre Rechner zu laden.

Die Berufungsrichter schickten den Fall jetzt wieder an das Distriktgericht zurück, das die einstweilige Verfügung gegen Napster im vergangenen Jahr erlassen hatte. Diese Verfügung war wenige Stunden vor der Schließung des Napster-Dienstes von dem Berufungsgericht vorläufig aufgehoben worden.

Vor dem mit Spannung erwarteten Urteil hatten Hunderttausende von Fans am Montag noch einmal kostenlos zugegriffen. In einem Massenansturm auf die Website haben über eine halbe Million Menschen ihre Musikdateien zum Tausch angeboten, etwa 300 000 mehr als an gewöhnlichen Tagen.

Kürzlich war die 1999 von dem 18-jährigen Studenten Shawn Fanning gegründete Firma eine Allianz mit dem deutschen Medienriesen Bertelsmann eingegangen, der Napster zu einem kostenpflichtigen Service umbauen möchte. Dennoch hatte der Branchenverband der US-Plattenindustrie RIAA (siehe Glossar) angekündigt, dass er den Prozess fortsetzen wolle. Die Branche betrachtet das kostenlose Tauschen von Musiktiteln als schlichten Diebstahl. (PC-WELT, 13.02.2001, dpa/ ml)

Neue Napster-Version zum Download (PC-WELT Online, 12.02.2001)

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