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Napster: Filter nutzlos

06.03.2001 | 15:42 Uhr |

Der gerichtlich angeordnete Einsatz von Filtersoftware scheint momentan noch nicht so zu funktionieren, wie es sich die Chefetage von Napster wünscht. Mittlerweile liefern sich Tauschbörse und Nutzer ein Katz-und-Maus-Spiel.

Der gerichtlich angeordnete Einsatz von Filtersoftware scheint momentan noch nicht so zu funktionieren, wie es sich die Chefetage von Napster wünscht. Das Problem: Der am Sonntag implementierte Filter ist mit ein bisschen Fantasie leicht zu umgehen.

Die Gerichtsvorgabe sieht vor, dass die Filtersoftware urheberrechtlich geschützte Songs aussieben und somit den Zugriff verwehren soll. Hierzu setzt die Software zwischen den PCs der Nutzer und den Napster-Servern an.

Die Filter-Software enthält alle Song-Titel, die künftig nicht mehr heruntergeladen werden dürfen. Sollte ein Tauschwilliger beispielsweise auf der Suche nach dem Metallica-Titel "Enter Sandman" sein, erkennt die Software, dass es sich hierbei um einen geschützten Song handelt und sperrt den Zugriff.

Doch bereits einen Tag nach Implementierung der Software haben Napster-Mitglieder herausgefunden, wie sich dieser Filter umgehen lässt. Der Song wurde kurzerhand umbenannt oder absichtlich falsch geschrieben. So wurde aus dem Titel "Inner Sandman", "Enter the Sandman" oder schlicht "Sandman".

Ein weiterer Kniff ist die Umstellung des Künstlernamens. Der Sänger Billy Joel wurde beispielsweise kurzerhand in Joel Billy umbenannt, was die Filter-Software wieder ins Leere greifen lässt.

Einzig der Metallica-Song "The Unforgiven" scheint ernsthafte Probleme zu bereiten und ist nur noch sehr selten zu finden.

"Die Filter-Engine ist durch die engen Definitionen stark begrenzt, anderenfalls würde sie mehr Titel ausgrenzen, als es gewünscht ist", meinte Malcolm Maclachlan, Electronic Media Analyst von IDC. "Ich denke jeder wusste, dass es zwischen den Nutzern und der Filter-Software zu einem Katz & Maus Spiel kommen würde."

Selbst wenn die Software den Sieg irgendwann für sich verbuchen sollte, sieht Maclachlan kein Ende des Tauschbooms. "Dank der Medien-Berichterstattung kennt jeder Napster-Nutzer mindestens ein halbes Dutzend Alternativen, die er ausprobieren kann." (PC-WELT, 06.03.2001, mp)

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