212546

Netzeitung ist pleite

09.11.2009 | 15:20 Uhr |

Die Berliner Online-Publikation "Netzeitung" steht vor dem Aus. Wie die Verlagsgruppe DuMont Schauberg, die das Nachrichtenunternehmen erst im März dieses Jahres vom britischen Investor David Montgomery übernommen hat, wissen lässt, wird "das bisherige Konzept einer Internetzeitung mit eigener Redaktion zum 31. Dezember 2009 aufgegeben".

Sämtlichen Mitarbeitern, die Rede ist von 14 Festangestellten und mehreren freien Redakteuren, werde in Kürze betriebsbedingt gekündigt. Als Ursache für diese drastische Maßnahme werden "wirtschaftliche Gründe" genannt.

Im Web lässt sich kein Geld verdienen

Für Branchenexperten ist die aktuelle Pleite nicht nur eine Folge der weltweiten Zeitungskrise, sondern auch Ausdruck der Schwierigkeit der Nachrichtenverlage, ein geeignetes Geschäftsmodell für das Internetzeitalter zu finden. Einer reinen Online-Publikation wie der Netzeitung stand man in dieser Hinsicht von Anfang an eher skeptisch gegenüber, da sich der gängigen Auffassung nach aus Sicht der Verlage im Web noch nicht ausreichend Geld verdienen lässt.

"Die Netzeitung war im Grunde von Anfang an unterfinanziert. Man hatte zu keinem Zeitpunkt die nötigen finanziellen Mittel parat, um das Portal mit interessanten Inhalten zu füllen", stellt eine Brancheninsiderin im Gespräch mit pressetext fest. Die anfänglich noch als zumindest prinzipiell interessanten Ansatz gehandelte Idee, als Geschäftsmodell rein auf das Internet zu setzen, habe letztendlich doch nicht den Erfolg eingebracht, den man sich ursprünglich erwartet hätte.

Verschärfte Konkurrenz bei Online-Nachrichten

Neben den fehlenden Finanzmitteln habe sicherlich auch der deutlich gewachsene Konkurrenzdruck auf dem Online-Nachrichtenmarkt seinen Teil zum Ende der Netzeitung beigetragen. "Die Wettbewerbssituation für News-Angebote im Web hat sich im Laufe der letzten Jahre stark verschärft. Ist man im Jahr 2000 noch als erste deutsche Zeitung, die ausschließlich im Internet erscheint, gestartet, sind mittlerweile auch die traditionellen Nachrichtenhäuser nachgezogen und versuchen, mit eigenen Online-Auftritten auf Leserfang zu gehen. Für die Netzeitung ist da der Spielraum wohl zu klein geworden", erläutert der Brancheninsider.

Netzeitung wird "automatisiertes Nachrichtenportal"

"Wir bedauern die für die Mitarbeiter mit der Entscheidung verbundenen Härten. In der derzeitigen Form ist die Internetzeitung wirtschaftlich aber nicht zu betreiben", heißt es in einer Pressemitteilung des Presse- und Medienhauses Berlin, zu dem die Netzeitung als Teil der Mediengruppe DuMont Schauberg gehört. Bestehende vertragliche Verpflichtungen der Internetzeitung sollen aber noch im 1. Quartal 2010 erfüllt werden. In Zukunft wolle man die Online-Publikation dann als "automatisiertes Nachrichtenportal" nutzen. Genaue Details zu diesen Plänen sind bislang aber noch nicht bekannt. (pte)

0 Kommentare zu diesem Artikel
212546