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NSA zittert vor Snowdens „Lebensversicherungs“-Datei

27.11.2013 | 09:47 Uhr |

Edward Snowden soll in der Cloud eine Datei mit vielen weiteren noch unbekannten Informationen über verschiedene US-Geheimdienste versteckt haben. Diese Daten sollen enthüllt werden, falls Snowden verhaftet wird oder ihm etwas zustößt. Die US-Geheimdienste befürchten dann den „jüngsten Tag“ (O-Ton).

Sofern ein Bericht von Reuters zutrifft, bereitet dem US-Geheimdienst NSA die Frage nach der „Lebensversicherung“ des Whistleblowsers Edward Snowden große Sorgen. Denn die US-Schlapphütte gehen davon aus, dass Snowden irgendwo im Internet eine Datei versteckt habe, die alle seine Erkenntnisse über die NSA und weiterer Geheimdienste beinhalte.

Ex-CIA-Mitarbeiter deckte riesiges US-Überwachungsprogramm auf

Laut Reuters sollen Mitarbeiter der NSA und dessen engen Kooperationspartners, dem britischen Geheimdienst GCHQ (Government Communications Headquarters), diese Befürchtung geäußert haben. Der Tag, an dem diese Datei an die Öffentlichkeit gelangen würde, sei ein „Doomsday“ – der Tag des Jüngsten Gerichts.

Doomsday-Datei auf einem Cloud-Server

Die Geheimdienstler gehen davon aus, dass Snowden eine solche Datei mit allen seinen Informationen verschlüsselt irgendwo auf einem Cloud-Server abgelegt habe. Die Datei, so die Befürchtung der Geheimdienstler, könnte auch die Klarnamen von Geheimdienstmitarbeitern enthalten und diese damit enttarnen. Angeblich würden die Dateien auch Informationen über den US-Geheimdienst CIA enthalten, darunter ebenfalls Klarnamen. Zudem befänden sich in der Datei Informationen über weitere US-Geheimdienste wie das National Reconnaissance Office und die National Geospatial-Intelligence Agency.

Die Schlapphüte vermuten, dass Snowden die Datei mit den ausgefeiltesten Verschlüsselungsmethoden gesichert habe. Mehrere Passwörter seien nötig, um die Datei zu entschlüsseln, wie zwei der Reuters-Quellen zu wissen glauben. Diese Passwörter seien angeblich in den Händen von mindestens drei unterschiedlichen Personen. Sie seien zudem nur immer für eine kurze Zeitspanne pro Tag gültig. Die NSA kenne die Identität der Passwort-Besitzer nicht.

Eine der Geheimdienstquellen, die mit Reuters sprach, bezeichnete die Datei ausdrücklich als Snowdens Versicherung gegen eine Verhaftung oder gegen eine direkte Bedrohung von Snowdens Leben.

Bis zu 200.000 geheime Dokumente mitgenommen

US-Beamte sind zudem der Meinung, dass Snowden bis dato nur einen kleinen Teil der Daten, die er während seiner Tätigkeit für die NSA heruntergeladen habe, veröffentlicht habe. Von 50.000 bis 200.000 gesaugten NSA- und GCHQ-Dokumenten ist dabei die Rede. Mitarbeiter aus dem Umfeld von US-Präsident Obama hätten sich dahingehend geäußert, dass Snowden genügend Material heruntergeladen habe, um die Öffentlichkeit zwei Jahre lang mit immer neuen Geschichten zu versorgen. Das Schlimmste würde erst noch kommen, habe ein ehemaliger US-Beamter gesagt.

Snowden floh zunächst nach Hongkong, wo er mit seinen Enthüllungen über die Spionage-Tätigkeit der NSA und dessen britischen Kooperationspartners GCHQ begann. Dann floh er weiter nach Russland, wo er sich derzeit aufhält. Das Putin-Reich hat ihm vorübergehend Asyl gewährt. Die USA jagen Snowden wegen Geheimnisverrats.

Haben Russen und Chinesen Zugriff auf die Daten?

Besonders viel Kopfzerbrechen bereitet den Amerikanern die Möglichkeit, dass der russische oder der chinesische Geheimdienst an das von Snowden versteckte Material gelangen und die Verschlüsselung knacken könnten.

Die Befürchtungen der NSA-Mitarbeiter sind nicht frei erfunden, sondern basieren unter anderem auf Äußerungen des ehemaligen The Guardian-Journalisten Glenn Greenwald, der Snowden in Hong Kong interviewt hatte. Greenwald sagte damals, dass Snowden „besonders umfangreiche Vorkehrungen getroffen habe, um sicher zu gehen, dass verschiedene Menschen rund um den Globus diese Archive besitzen würden, um sicher zu stellen, dass die Geschichten auch wirklich veröffentlicht werden“. Und weiter: „Für den Fall, dass Edward Snowden etwas zustoßen würde, habe er dafür gesorgt, dass diese Personen Zugriff auf alle Archive haben“.

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