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NSA hörte seit Jahrzehnten deutsche Bundeskanzler ab

09.07.2015 | 14:12 Uhr |

Wikileaks hat eine neue Liste mit Telefonnummern veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die NSA bereits seit den Zeiten von Bundeskanzler Helmut Kohl das Bundeskanzleramt überwacht hat.

Lange Zeit war es ruhig geworden um die Enthüllungsplattform Wikileaks. Julian Assange begründet das damit, dass Wikileaks erst die technische Basis schaffen musste, damit Whistleblower beziehungsweise Informanten sicher vor Enttarnung ihre Informationen an Wikileaks übermitteln können. Doch dieser Informantenschutz scheint mittlerweile zu funktionieren und so veröffentlicht Wikileaks jetzt wieder Schlag auf Schlag neue Enthüllungen. Die neueste Enthüllung betrifft wieder Deutschland: Die US-Geheimdienste spionierten offensichtlich bereits seit Jahrzehnten die Kanzler der Bundesrepublik Deutschland aus.

Wie Wikileaks hier schreibt gibt es beispielsweise drei NSA-Abhörprotokolle von Gesprächen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und eine Liste mit 56 NSA-Selektoren, die sich auf die Bundeskanzlerin und das Bundeskanzleramt beziehen. Die Liste enthält vertrauliche Telefonnummern der Bundeskanzlerin, ihrer Spitzenbeamten, ihrer Assistenten, ihres Stabschefs, ihres Büros und ihres Fax-Anschlusses.

Außerdem geht aus den NSA-Ziellisten hervor, dass die NSA 125 Telefonnummern deutscher Politiker und Beamter über einen längeren Zeitraum überwachte. Offensichtlich aus politischen und wirtschaftlichen Gründen, wie laut Wikileaks aus den Kennzeichnungen in den Dokumenten selbst hervorgehen soll.

So interessierte sich die NSA zum Beispiel für Merkels Pläne zur internationalen Finanzkrise und zur europäischen Bankenrettung. Die NSA hörte aber auch mit, als Merkel dem Kronprinzen Shaykh Muhammad bin Zayid al-Nuhayyan aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ihre privaten Ansichten über das Engagement von Präsident Obama gegenüber dem Iran mitteilte.

Rund zwei Dutzend der überwachten Telefonnummern stammen aus Merkels Büro im Bundeskanzleramt. Aber auch die Vodafone-Nummer von Merkel, die während des Jahres 2013 in Benutzung war, befindet sich auf der Liste. Ebenfalls auf dieser Liste ist die Vodafone-Nummer des damaligen Kanzleramtsministers Ronald Pofalla. Pofalla erklärte damals in markigen Worten die NSA-Überwachungsaffäre zur beendet. Mittlerweile hat Pofalla einen gut bezahlten Lobbyistenposten bei der Bahn AG.

Besonders spannend ist aber eine weitere Erkenntnis, die aus den jetzt veröffentlichten Wikileaks-Unterlagen hervorgeht. Die NSA hat das Bundeskanzleramt schon mindestens seit den Zeiten von Bundeskanzler Helmut Kohl (Kanzlerschaft: 1981-1998) überwacht. Ebenso wurden Mitarbeiter von dessen Nachfolger Gerhard Schröder (1998-2005) überwacht.

Die jetzt ausgewerteten NSA-Listen lassen sich laut Wikileaks bis in die 1990er Jahre zurückverfolgen. Es befinden sich darauf sogar Nummern aus der Zeit, als das Bundeskanzleramt noch in Bonn war.
 
 

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