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Was die NSA wirklich wissen will

03.07.2014 | 15:08 Uhr |

Dem NDR und WDR ist es eigenen Aussagen nach gelungen, einen Teil des Quellcodes des NSA-Tools "XKeyscore" zu analysieren. Was die Analyse ergibt, lässt einem die Haare zu Berge stehen.

Die NSA hat offenbar gezielt ausgerechnet diejenigen Surfer ausgespäht, die um ihre Privatsphäre besorgt sind und ihre Kommunikation zumindest zum Teil verschlüsseln. Das berichtet die Tagesschau unter Bezugnahme auf Recherchen von NDR und WDR. NDR und WDR behaupten, dass ihnen ein Teil des NSA-Spähprogramms XKeyscore als Quellcode vorliege. Mit diesem Programm sollen die Spione unter anderem einen Studenten aus Erlangen observiert haben, weil er einen Server für das Anonym-Surfen-Tool "Tor" betreibt.

Wie dem Bericht zu entnehmen ist, hat es die NSA vor allem auf das beliebte Anonymisierungs-Netzwerk Tor abgesehen. Es ist kostenlos und leitet den Internetverkehr des Nutzers über zahlreiche Stellen um, damit der wahre Aufenthaltsort des Nutzers geheim bleibt. Tor wird nicht nur von vorsichtigen Privat-Nutzern frequentiert, sondern auch von Menschrechtsaktivisten und Journalisten in Krisengebieten.

Die NSA hat eine Liste mit allen Tor-Servern

In dem Quellcode finden NDR und WDR unter anderem die IP-Adresse 212.212.245.170, die zu einem gemieteten Server in Nürnberg führt. Ein Student aus Erlangen hat sie für Tor gemietet, er betreibt einen der neun "Directory Authorities" für das Netzwerk. Auf dem Server liegt damit eine Liste mit allen anderen Tor-Servern. Diese wird von den Tor-Nutzern, die sich mit dem Server verbinden, automatisch heruntergeladen, damit das Tool den Internetverkehr über die anderen Server umleiten kann. Angeblich soll der Server hunderttausende Zugriffe am Tag verzeichnen. Und diese soll die NSA fleißig mitgeschnitten haben. Im Quellcode finden sich auch die Namen der anderen "Directory Authorities" in Berlin, den Niederlanden, Österreich, Schweden und den USA. Auch sie sind offenbar Ziele der NSA. Macht allein die Nutzung von Tor einen schon verdächtig?

Kommentar eines NSA-Programmierers: "Extremisten"

Der Quellcode verrate auch, dass die NSA im großen Stil Suchanfragen weltweit auswerte. Allein die Suche nach dem Betriebssystem "Tails", welches Tor eingebaut hat, reiche aus, um ins NSA-Raster zu geraten. Dass ein Besuch der offiziellen Tor-Webseite genügen soll, um in die NSA-Datenbank geschrieben zu werden, ist da schon fast geschenkt. Im Kommentarbereich des untersuchten Quelltextes soll ein NSA-Mitarbeiter gar das Wort "Extremisten" vermerkt haben.

NSA liest angeblich ganze Mails aus

Im Quellcode, sagen NDR und WDR, lasse sich ferner das erste Mal belegen, dass es der NSA nicht nur um Metadaten, also Verbindungsdaten, gehe. Wird eine E-Mail zur Verbindung mit dem Tor-Netzwerk genutzt, soll laut Quellcode der Text ausgewertet und gespeichert werden. Noch etwas verrate der Quellcode: Die US-Partner Neuseeland, Australien, Großbritannien und Kanada sollen von den Schnüffeleien nicht erfasst werden. Alle anderen Länder sollen ohne Ausnahme ausgespäht werden.

Auf Anfrage soll die NSA mitgeteilt haben, dass man sich strikt an die Gesetze halte. Die Tagesschau zitiert: "Privatsphäre und Bürgerrechte werden in der Computerüberwachung immer bedacht."

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