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Handy-Sehtest erspart den Augenarzt

27.06.2010 | 14:05 Uhr |

Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben eine Lösung entwickelt, die eine Messung der Sehstärke mit aufwendigen Geräten beim Augenarzt überflüssig macht.

Denn " NETRA "setzt einfach auf ein Handy und einen speziellen Aufsatz, um die notwendigen Messungen durchzuführen. Ersten Tests zufolge ist die Messgenauigkeit mit jener vergleichbar, die mit teuren Aberrometer-Geräten erreicht wird. Die Wissenschaftler sehen in ihrem Gerät die Chance, Routineuntersuchungen einfacher, schneller und vor allem billiger zu machen. "Dadurch werden Sehtests für Millionen Menschen in Entwicklungsländern zugänglicher", meint Manuel Oliveira, Gastprofessor am MIT Media Lab. Das könnte letztendlich vielen Patienten das Erblinden ersparen.

NETRA nutzt einen speziellen Plastikaufsatz, in dem sich winzige Linsen und eine Anordnung kleiner Löcher befinden. Dieser Aufsatz wird für den Sehtest am Handydisplay angebracht. Im einfachsten Fall stellt die zum System gehörige Software auf dem Bildschirm grüne und rote Linien dar, die der Nutzer mithilfe der Richtungstasten auf dem Handy zum Überlappen bringen muss.

Diese Kombination "zwingt den User, auf unterschiedliche Entfernungen zu fokussieren", erklärt Ramesh Raskar, Leiter der Camera Culture Lab am MIT Media Lab. Dadurch wird es möglich zu messen, wie gut sich das Auge scharfstellen kann und somit die Sehkraft zu bestimmen. Das dem Sehtest zugrunde liegende Prinzip ist dabei jenem der adaptiven Optiken ähnlich, die äußerst leistungsfähige Teleskope ermöglichen, so der Wissenschaftler.

Der erforderliche Plastikaufsatz kann den Forschern zufolge derzeit für ein bis zwei Dollar gefertigt werden, doch sei es wohl möglich, den Preis bei Massenfertigung auf einige Cent zu drücken. Als wirklich günstige Alternative zu Spezialgeräten könnte NETRA gerade in Entwicklungsländern die medizinische Versorgung in Form von optometrischen Vorsorgeuntersuchungen entscheidend verbessern.

Das wäre potenziell von gewaltigem Vorteil für die Betroffenen. Denn der World Health Organization zufolge ist weltweit nicht behandelte Fehlsichtigkeit der zweithäufigste Grund für Blindheit nach Grauem Star. Dabei ist etwa jeder vierte Mensch fehlsichtig. Ehe das System wirklich als Produkt vermarktet wird, muss es freilich noch ausführlicheren Praxistests unterzogen werden. Damit will das Team im Sommer in Boston beginnen.

(pte)

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