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Musikpiraten-Urteil im Internet

In Zukunft müssen Internetanbieter in Deutschland Schadenersatz leisten, wenn sich Teilnehmer über ihre Dienste illegal kopierte Musik besorgen. In einem Musterprozess vor dem Landgericht München unterlag AOL einem Anbieter von MIDI-Files, der sich wegen eines AOL Musik-Forums in seinen Urheberrechten verletzt sah.

In Zukunft müssen Internet-Anbieter in Deutschland Schadenersatz leisten, wenn sich Teilnehmer über ihre Dienste illegal kopierte Musik besorgen. Einem Bericht der Financial Times Deutschland (FTD) zufolge hat das Münchner Landgericht in einem Musterprozess festgestellt, dass Online-Dienste für die Verbreitung raubkopierter Musikdateien haftbar sind. In dem Verfahren ging es um ein Musik-Soundforum des Providers AOL, von wo aus AOL-Nutzer unkontrolliert Musikdateien herauf- und herunterladen konnten. Darunter befanden sich auch MIDI-Files.

Dadurch fühlte sich die Hit Bit Software GmbH, einer der größten Anbieter von MIDI-Files in Deutschland, in seinen Urheberrechten verletzt und zog 1998 vor Gericht. Sie verlangte Schadenersatz in sechsstelliger Höhe. AOL lehnte eine Haftung ab, da Musikfiles "kinderleicht hergestellt, verbreitet und vervielfältigt" werden könnten, und diese dann im Internet "geradezu verschenkt" würden.

Das nun ergangene Urteil "ist ein Meilenstein bei der Durchsetzung von Urheberrechten im Netz", so Hans-Herwig Geyer, Sprecher der Verwertungsgesellschaft GEMA gegenüber der FTD. Der Schaden der Musikindustrie durch Raubkopien im Internet habe allein im letzten Jahr 140 Millionen Mark betragen. (PC-WELT, 12.04.2000, dpa/ hr)

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