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Musikindustrie siegt: Kazaa wird legale Tauschbörse

27.07.2006 | 14:55 Uhr |

Lange hat die gerichtliche Auseinandersetzung zwischen der P2P-Börse Kazaa und der Musikindustrie gedauert, nun haben sich die Parteien außergerichtlich geeinigt. Demnach wird Kazaa Zug um Zug zu einer legalen Download-Plattform umgebaut.

Eine der bekanntesten und am häufigsten genutzten P2P-Börsen wird es in dieser Form künftig wohl nicht mehr geben: Kazaa . Die Betreiber der Tauschbörse, Sharman Networks, und die Vertreter der Industrie, in Form der RIAA und der IFPI , haben eine außergerichtliche Einigung erzielt, unter der in der Folge Kazaa zu einer legalen Download-Plattform umgebaut werden soll. Dies hat die IFPI heute bekannt gegeben. Die Einigung betrifft die weltweiten Aktivitäten von Kazaa, Anfang des Jahres durfte die Client-Software der Tauschbörse bereits nicht mehr in Australien angeboten werden.

Des Weiteren haben die Verantwortlichen von Kazaa zugestimmt, eine "erhebliche Summe" als Kompensationszahlung an die beteiligten Musikunternehmen zu zahlen (die BBC spricht in diesem Zusammenhang von 100 Millionen US-Dollar). Darüber hinaus wird Kazaa Filtertechnologien integrieren, die verhindern sollen, dass Anwender weiterhin urheberrechtlich geschütztes Material tauschen.

"Kazaa hat international den Diebstahl von urheberrechtlich geschützten Werken vorangetrieben", sagte John Kennedy, Chairman der IFPI. "Dies hat die gesamte Musikindustrie geschädigt und unsere Versuche behindert, ein legales digitales Geschäft aufzubauen." Kazaa habe für seine Vergangenheit einen hohen Preis zahlen müssen. Kazaa werde künftig auf ein legales Modell umschwenken und seine "machtvolle Distributions-Technologie" für einen legitimen Zweck einsetzen. Und weiter: "Dies ist das bestmögliche Ergebnis für die Musikindustrie und die Konsumenten. Unsere Industrie wird einen neuen Geschäftspartner haben und die Konsumenten neue Möglichkeiten und Auswahl erhalten, Musik online zu genießen. Dies ist eine win-win-Situation."

Erst im vergangenen Jahr hat mit Grokster eine weitere bekannte, wenn auch nicht so große Tauschbörse wie Kazaa, aufgegeben und sich mit der Industrie geeinigt. Mit Kazaa ist der Industrie allerdings der bislang größte Schlag gegen einen - ihrer Meinung nach - Hauptverursacher der Umsatzrückgänge der Branche gelungen. Ohne Frage werden die Nutzer von Kazaa sich nun nach Alternativen umsehen, aber die Luft wird offenkundig immer dünner. Und sollte es die Industrie dereinst tatsächlich schaffen, alle großen P2P-Börsen zu schließen, wird es besonders spannend sein zu sehen, ob sich die Verkaufszahlen der Musik-/Filmfirmen tatsächlich erholen.

Kazaa: Kein Download mehr in Australien (PC-WELT Online, 06.12.2006)

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