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Musikindustrie bereit für das Internet

25.01.2001 | 16:23 Uhr |

Die Musikindustrie ist bereit für das Geschäft im Internet. Dieses Fazit zog die Direktorin der Musikmesse Midem, Dominique Leguern, am Donnerstag zum Abschluss des weltgrößten Branchentreffs. Weiter erklärte sie: "Die Branche hat die Musik-Piraterie weitgehend im Griff."

Die Musikindustrie ist bereit für das Geschäft im Internet. Dieses Fazit zog die Direktorin der Musikmesse Midem, Dominique Leguern, am Donnerstag zum Abschluss des weltgrößten Branchentreffs. "Das Musikbusiness weiß jetzt, wie es das Internet nutzen kann und sieht die Online-Unternehmen als Partner und nicht mehr als Konkurrenten", sagte sie in Cannes. Dort hatten fünf Tage lang mehr als 10 000 Vertreter aus dem Musik- und Online-Bereich über die Zukunft der Branche diskutiert: Die Aussichten seien sehr gut, meinte Leguern.

Momentan sei man zwar noch davon entfernt, mit Musik im Internet legal Geld zu verdienen, meinten viele Experten. "Aber in zwölf bis 18 Monaten sind erste Gewinne möglich", sagte Jean-Pierre Bommel vom Unternehmen Madge.web, das sich auf das Digitale Rechte-Management (DRM) spezialisiert hat, der dpa. Viele seiner Kollegen stimmen diesem Zeitplan zu.

Zahlreiche DRM-Firmen stellten auf der Midem Lösungen zur sicheren Verbreitung von Musikdateien im Internet vor. Die Files werden dabei einzeln verschlüsselt und können nur vom berechtigten Internetnutzer heruntergeladen und geöffnet werden. "Die Branche hat die Musik-Piraterie weitgehend im Griff", meinte Leguern. Zudem haben die Musikverlage ihre Kräfte gebündelt und vereint ihre Forderung nach einem einfachen und alle Rechte umfassenden globalen Lizenzierungs-System für Musik bekräftigt. Die Verwertungsgesellschaften haben ihrerseits erste Vereinbarungen hin zu einer weltweiten Kooperation geschlossen.

Außerdem werden die Plattenfirmen zunehmend mutiger bei der Veröffentlichung ihres Musikrepertoires im Internet. Viele Firmen stellten Download- und Abonnement-Modelle für Musik im Netz vor.

Jazz-Pianist Herbie Hancock und Genesis-Gründer Peter Gabriel betonten die Bedeutung des Internets für die Künstler. Sie würden dadurch unabhängiger von Plattenfirmen, könnten sich selbst vermarkten, direkt mit den Fans in Kontakt treten und mit anderen Musikschaffenden im Web zusammenarbeiten.

Doch nicht nur das Geschäft, sondern auch die Musik selbst kam auf der Midem zu Gehör. Die weit über 100 Einzelauftritte von Künstlern wie Herbie Hancock, Tom Jones und Joaquin Cortes seien ein großer Erfolg gewesen, meinte Leguern. "Sehr viele Konzerte waren ausverkauft." Das große Interesse an den vielfältigsten Darbietungen von Rock-Pop über Electronic-Dance und Weltmusik bis zu Klassik und Jazz, zeige, dass das Publikum bereit für Neues und Unbekanntes sei.

Für die nächste Midem, die vom 20. bis 24. Januar 2002 stattfindet, sagte Leguern eine Konsolidierung des Geschäfts mit Online-Musik voraus. "Der Ausbau von Abonnement-Modellen und die Lieferung von Musik via Internet oder Satellit beispielsweise auf mobile Geräte werden die Gespräche bestimmen." (PC-WELT, 25.01.2001, dpa/ sw)

www.midem.com

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