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Musik legal auf CDs brennen

05.06.2001 | 16:20 Uhr |

Der CD-Brennsoftware Hersteller Roxio und die Plattenfirma EMI planen noch in diesem Jahr eine gemeinsame Internet-Plattform, über die Nutzer legal Musik herunterladen und diese auf CD brennen können. Die Musik-Dateien liegen dabei in verschlüsselter Form vor und werden erst beim Brennvorgang entschlüsselt. Das haben beide Firmen heute offiziell bekannt gegeben.

Der CD-Brennsoftware-Hersteller Roxio und die Plattenfirma EMI planen noch in diesem Jahr eine gemeinsame Internet-Plattform, die es Nutzern ermöglichen soll, Musik aus dem Hause EMI mittels der Software Easy CD Creator legal auf CD zu brennen. Das haben beide Firmen heute offiziell bekannt gegeben.

Kernpunkt der Zusammenarbeit ist die Technologie von Roxio, mit der geschützte Inhalte aus dem Internet herunter geladen und anschließend mit der hauseigenen Software gebrannt werden können. Die Musik-Dateien liegen dabei in verschlüsselter Form vor und werden erst beim Brennvorgang entschlüsselt. Diese Vorgehensweise soll dafür sorgen, dass die Urheberrechte gewahrt bleiben. "So entstehen auch neue Einnahmequellen für Künstler und Autoren", meint Jay Sawit, Senior Vize-Präsident von New Media EMI Recorded Music.

PC-WELT führte zu diesem Thema ein ausführliches Gespräch mit Harm Meyer, General Manager bei Roxio. Meyer betonte dabei, dass mit der Technologie nur das Brennen von Musik-Titeln auf CD möglich sei - nicht aber das direkte Anhören der heruntergeladenen Musikdateien. "Die Nutzer wollen ihre Musik nicht am Rechner hören, sondern auch im Auto", so Meyer.

Das Brennen kann nur mit der hauseigenen Software Easy CD Creator erfolgen. Ob dafür eine neue Version der Brennsoftware nötig ist, ist dabei noch unklar. "Es könnte auch einen Patch für schon erschienene Versionen geben", so Meyer. Vor Weihnachten soll aber in jedem Fall eine neue Version von Easy CD Creator erscheinen.

Ebenfalls unklar ist noch der genau Starttermin. Harm Meyer geht davon aus, dass das Gemeinschaftsprojekt von Roxio und EMI noch in diesem Jahr online gehen wird. Die Vermarktung liegt dabei ganz in Händen von EMI. Unter anderem soll es wie bei Napster ein Monats-Abo geben. Der Preis dafür und ob es auch möglich sein wird, einzelne Titel gegen Bezahlung herunter zu laden, stehen laut Meyer ebenfalls noch nicht fest.

PC-WELT meint:

Napster hat gezeigt, wie einfach Musik-Dateien im Internet herunter geladen - pardon - getauscht werden können. Napster in der ursprünglichen Form ist allerdings tot und wird durch ein Abo-Napster abgelöst. Aber was haben die Plattenfirmen daraus gelernt? EMI auf jeden Fall nichts.

Da sollen komplette Musik-Dateien aus dem Internet herunter geladen und anschließend gebrannt werden. Der Nutzer darf also in Zukunft auch noch der Plattenindustrie das Brennen der CDs abnehmen. Herzlichen Dank! Egal wieviel das Ganze monatlich kosten wird: EMI scheint nichts von Napster & Co. gelernt zu haben.

Das ganze System wirkt rückständig und frei von echter Innovation. Zudem bietet es gegenüber herkömmlichen Vertriebswegen kaum Vorteile. Statt in den Laden zu gehen und eine CD zu kaufen, erledigt der Anwender diese Tätigkeit selbst über das Internet und das mit mehr Aufwand.

Und so sehr die Daten auch geschützt sind. Einmal auf CD gebrannt, können sie sofort wieder als MP3-Datei auf den Rechner überspielt werden und von da an wieder - Plattenfirmen bitte kurz weghören - getauscht werden. Daher scheint es, als würde EMI hier nur versuchen, sich geschickt aus der Debatte um die MP3-Problematik zu ziehen.

EMI ist stolz darauf, 1500 Künstler unter Vertrag zu haben und 1000 Alben pro Jahr zu veröffentlichen. Die Umsätze scheinen die Plattenbosse allerdings nicht in ein innovativeres Internet-Geschäftsmodell investieren zu wollen. Anders lässt sich dieser eigenwillige und zaghafte Gang ins Internet nicht erklären. Dieser Schritt hätte so auch vor Jahren schon erfolgen können. Jetzt allerdings kommt er zu spät.

Die Händler dagegen werden bei diesem Modell völlig leer ausgehen. Bleibt abzuwarten, mit welchem Anteil der gesparten Händler-Provisionen EMI downloadwillige Internet-Anwender locken wird.

Napster-Abo für 5 Dollar (PC-WELT Online, 29.05.2001)

Napster: Musik kann nicht gebrannt werden (PC-WELT Online, 12.04.2001)

EMI- & BMG-Fusion droht zu scheitern (PC-WELT Online, 30.04.2001)

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