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Musik-Abomodelle: Das Ende physischer Tonträger?

27.10.2005 | 15:44 Uhr |

Früher ging man in einen Laden, kaufte die heiß ersehnte Platte (für die Jüngeren: Das große schwarze flache Ding mit dem kleinen Loch in der Mitte ;-) ) und marschierte stolz wie Oskar und voller Vorfreude nach Hause, um sich das Werk anzuhören. Mit der Einführung der CD wurde es nicht viel anders, außer dass man nicht mehr so viel schleppen musste und sich ein komplettes Album ohne Umdrehen der Scheibe anhören konnte.

Was heutzutage passiert, könnte mittelfristig das Ende physischer Tonträger - zumindest so wie wir sie kennen - einläuten: Musik-Abomodelle. Diese Dienste, die beispielsweise von Napster, Yahoo und vielen anderen angeboten werden, geben Anwendern das Recht, beliebig viele Titel anzuhören, so lange Monat für Monat die Abogebühr bezahlt wird. Wird das Abo gekündigt, sind auch die auf den PC geladenen Songs nutzlos - dank DRM.

Der Erfolg dieser Angebote gibt den Machern Recht. Viele Anwender sind bereit, jeden Monat Pi mal Daumen 10 Dollar zu bezahlen, um dann unlimitiert im Musikangebot des Anbieters zu stöbern. Rechnet man die Gebühr auf ein Jahr hoch, kommt man bei diesem Beispiel auf 120 Dollar, also rund 6 CDs - kein schlechtes Geschäft.

Doch welche Auswirkung könnte ein solches Modell haben, wenn es sich in ein paar Jahren flächendeckend durchsetzen würde? Da es dank Kopierschutz in den meisten Fällen nicht mehr möglich ist, (legal) Musik auf den PC zu kopieren, müssen Anwender, die ihre MP3-Player füttern wollen, bereits jetzt auf Musik-Shops im Netz zurückgreifen (oder ältere CDs rippen, beziehungsweise analog aufnehmen) und somit doppelt zahlen.

Einige Musik-Abomodelle gestatten es allerdings nicht, die Musik auf einen Player zu übertragen. Und wenn ja, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis dies unterbunden wird. Die Marschrichtung ist klar: Anwender sollen mit Hilfe von DRM dazu gezwungen werden, ihre Musik für jede denkbare Anwendungsmöglichkeit extra lizenzieren zu müssen. Zunächst die CD, dann für die Musik am PC und schließlich wenn die Musik auch mit einem MP3-Player angehört werden möchte. Zwar ist diese Extremsituation noch Zukunftsmusik. Hätte man allerdings den Menschen vor zehn Jahren prophezeit, dass tausende Musiktitel in akzeptabler Qualität in ein Gerät passen, das in jeder Westentasche Platz hat, wäre man schneller in der Klapse gelandet, als man "DRM" hätte sagen können.

Wenn nun aber die so häufig beschworene Konvergenz der Geräte stattfindet, PCs im Wohnzimmer in ein paar Jahren also zum guten Ton gehören, und Funktionen übernehmen, für die wir heute einen CD-/DVD-Player und ähnliches benötigen, sind Tonträger wie CDs oder DVDs eigentlich überflüssig. Alles was man benötigt, ist ein Internetanschluss und ein Musikabo - fertig ist die Jukebox für zuhause. Mit einem Unterschied: Ich zahle für etwas, das mir nicht gehört, das ich nicht verschenken oder ins Regal stellen kann, und das sich in Null-Komma-Nix in Luft auflösen kann. Irgendwie traurig.

Vor Jahren hatte ich die verrückte Idee, dass DRM es den Konzernen irgendwann erlauben würde, Anwender für jedes Abspielen eines Songs zur Kasse zu bitten. Natürlich nur kleinste Beträge, damit es nicht so auffällt. Damals dachte ich mir "So ein Schmarrn". Doch heute bin ich mir nicht mehr so sicher, ob dieser Alptraum nicht eines Tages Wirklichkeit werden könnte.

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