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München: Umstieg auf Linux verzögert sich

08.09.2005 | 16:22 Uhr |

Mit viel Tamtam wurde vor mittlerweile gut zwei Jahren der Umstieg der Münchener Verwaltung von Microsoft auf Linux bekannt gegeben. Passiert ist bislang nicht allzu viel. Der endgültige Umstieg wurde nun erneut verschoben - auf das Jahr 2006.

Der Umstieg der Münchener Stadtverwaltung von Microsoft auf Linux verzögert sich weiter. Bislang sind gut zwei Jahre seit der Entscheidung Pro Open Source vergangen und es wird wohl noch ein weiteres vergehen, bis mit dem Umstieg der 14.000 Desktop-PCs begonnen wird.

Angaben der Mitarbeiter des Linux-Projekt-Teams (Limux) der Stadt zufolge könne die Deadline für den Beginn des Umstiegs, der für Mitte diesen Jahres vorgesehen war, nicht gehalten werden. Die Migration solle nun ein Jahr später beginnen.

Für die Verschiebung spielten eine Reihe von Faktoren eine Rolle, erklärte Florian Schießl, Sprecher des Projekt-Teams. So habe die Debatte um Software-Patente und deren Auswirkung auf Nutzer von Open-Source-Software dazu geführt, dass Rechtsexperten die Situation prüfen mussten. Diese kamen zu dem Schluss, dass es nur ein geringes Risiko gäbe, Software-Patente zu verletzen, so Schießl. "Die Experten sagten uns, dass nahezu jeder Anwender von Software einem gewissen Risiko ausgesetzt ist", so Schießl.

Auch der Ausschreibungs-Prozess habe mehr Zeit in Anspruch genommen, als ursprünglich vorgesehen. Die Angebote der Firmen "waren sehr unterschiedlich und unmöglich miteinander zu vergleichen", so Schießl. "Aus diesem Grund mussten wir zu den Firmen gehen und unsere Anforderungen diskutieren, um eine größere Transparenz zu erreichen".

Im April diesen Jahres wurden die beiden Firmen Softcon und Gonicus damit beauftragt, den Umstieg der 14.000 PCs durchzuführen. Seitdem arbeiten Experten der Stadt München und der beiden Firmen an einem Konzept, um neue, auf Open Source basierende Software in den verschiedenen Anwendungsgebieten der Verwaltung zu testen.

Im November soll mit Offline-Tests der Client-Software begonnen werden, für Januar ist der Start der Pilotphase angesetzt. Diese Pilotphase wurde laut Schießl nun um sechs Monate verlängert, um die Funktion des gesamten Systems sicherstellen zu können. Während dieser Zeit werden ausgesuchte Mitarbeiter der Verwaltung ihre Arbeit mittels Open-Source-Software erledigen. Dabei wird das Münchener Rathaus die erste Abteilung sein, die migrieren wird. Nach derzeitiger Planung soll der vollständige Umstieg im Jahr 2008 abgeschlossen sein. Ob dieser Termin auch mit der nun bekannt gegebenen Verlängerung der Pilotphase gehalten werden kann, bleibt abzuwarten.

Auf der kommenden Systems will das Limux-Team eine Beta-Version der Client-Software vorstellen.

Linux-Probleme in München: Alles halb so wild? (PC-WELT Online, 12.07.2005)

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