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Moderne Zeiten: Spicken mit Handy und PDA

26.09.2006 | 16:41 Uhr |

Die Zeit der handgeschriebenen Spickzettel dürfte zu Ende gehen. Denn auch beim Abschreiben und Einsagen bei Prüfungen hält moderne Technik Einzug, wie eine englische Universitätsstudie ergeben hat.

Früher war alles anders. Wer sich traute, schrieb Matheformeln oder schwierige Vokabeln auf die Handinnenflächen oder auf kleine Zettel, die man dann unauffällig zwischen Buchseiten oder im Federmäppchen versteckte. Doch heutzutage schlüpfen immer öfters kleine PDAs, Handys oder MP3-Player in die Rolle der unerlaubten Helferlein an Schulen und Universitäten, wie die englische Tageszeitung " The Guardian " berichtet.

Bereits seit längerem müssen Lehrer und Hochschuldozenten beim Korrigieren von Hausarbeiten auf geklaute Texte aus dem Internet achten, die ihnen skrupellose Schüler ohne mit der Wimper zu zucken als ihre eigenen Werke unterjubeln wollen. Mittlerweile gibt es sogar Web-Dienste wie docloc , mit denen man Plagiate aufspüren kann. Auf dieses Problem dürften sich die meisten Lehrer eingestellt haben. Doch seit einiger Zeit sehen sie sich mit einem neuen Problem konfrontiert: Mit dem unerlaubten Einsatz moderner Technik in Prüfungen.

Professorin Jean Underwood von der Universität der englischen Stadt Nottingham ist dem modernen Spick-Verhalten auf der Spur. Ihr vorläufiges Fazit dürfte Lehrern schlaflose Nächte bereiten: Immer öfters schmuggeln Schüler unerlaubte Informationen auf digitalen Geräten in die Prüfungsräume. Oder sie telefonieren unbemerkt mit einem Helfer außerhalb des Prüfungszimmers.

Der sicherste Weg, um jede Kontaktaufnahme zwischen Examenskandidat und der einsagenden Außenwelt zu unterbinden, wäre eine Art faradayscher Käfig um den Prüfungsraum. Dann käme keine Mobilfunk-Verbindung zustande, der Prüfling könnte nicht um Rat telefonieren.

Gegen das Spicken von einem PDA hilft das aber auch nicht. Anders als früher, als auf die kleinen Spickzettel nur eine beschränkte Menge an Informationen passte, können Schüler heute problemlos den Lerninhalt eines ganzen Kurses auf ihren PDA laden. Und dann während der Prüfung abfragen. Auf so manchem modernen Taschenrechner kann man ebenfalls viele Informationen speichern.

Underwood empfiehlt daher dringend, alle technischen Hilfsmittel wie Pocket-PCs, PDAs, Navigationssysteme und Handys von vornherein aus dem Prüfungsraum zu verbannen. Entdeckt der Lehrer dann auf seinen Kontrollgängen durch die Reihen der Schüler einen solchen Helfer, könnte das automatisch als Unterschleif gewertet und mit der Note 6 bewertet werden. Sind Handys und Co. dagegen nicht grundsätzlich von vornherein verboten, so müsste die Aufsichtsperson erst nachweisen, dass das entdeckte Mobiltelefon tatsächlich zum Spicken vorgesehen war beziehungsweise benutzt wurde. Aus diesem Grund verbieten viele Schulen bereits jetzt Handys generell bei Prüfungen.

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