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iPhone überführt japanische Uni-Schulschwänzer

30.05.2009 | 14:36 Uhr |

Apples iPhone wird von Bildungseinrichtungen zunehmend als alternative Plattform eingesetzt, die Studenten mit zusätzlichen Unterrichtsmaterialien versorgt. Dass diese grundsätzlich sicher sinnvolle Entwicklung mitunter auch zweifelhafte Auswüchse mit sich bringt, zeigt das Beispiel der japanischen Aoyama Gakuin University (AGU).

Die renommierte Lehrstätte, die aus mehreren verschiedenen Fakultäten besteht, will 550 seiner Studenten der School of Social Informatics gratis mit einem iPhone 3G ausrüsten. Wie die japanische Tageszeitung "The Mainichi Daily News" berichtet, geht es der Universität dabei zwar auch darum, die Hochschülerschaft mit Unterrichtsmaterialien zu versorgen. Gleichzeitig will man aber zudem das integrierte GPS-Modul des Smartphones nutzen, um herauszufinden, wo sich die Studenten gerade aufhalten. Auf diese Weise soll vor allem Schulschwänzern das Handwerk gelegt werden, so die AGU-Argumentation. "In Deutschland wäre die Umsetzung eines derartigen Projekts aufgrund der entsprechenden rechtlichen Bestimmungen sicherlich nur schwer vorstellbar. Pläne, Studenten in dieser Form zu überwachen, würden auf verschiedenen Ebenen auf strikte Ablehnung stoßen", stellt Lukas Gundermann, Referatsleiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein ( ULD ) , gegenüber pressetext fest.

Der Überwachungsvorstoß der AGU sei aus datenschutzrechtlicher Perspektive äußerst problematisch. "In diesem Zusammenhang ist eine Regelung auf europäischer Ebene ausschlaggebend, die ganz klar verlangt, dass Handy-Besitzer einer Ortung ihres aktuellen Standortes ausdrücklich im Vorfeld zustimmen müssen. Im aktuellen Fall müssten die Studenten zudem zu jeder Zeit darüber im Bilde sein, ob sie von einem GPS-Tracking-System erfasst werden oder nicht", betont Gundermann. Laut Bericht der japanischen Tageszeitung hat die AGU bereits mit der Ausgabe der ersten iPhone-Geräte an Studenten und Universitätspersonal begonnen. Die volle Funktionalität des Handysystems soll aber erst frühestens im Herbst 2009 erreicht werden. Bis zu diesem Zeitpunkt sehen die Pläne der Bildungsstätte eine Ausweitung des Projekts auf 1.000 Studenten vor. Neben der Möglichkeit, Schulschwänzer ausfindig zu machen, sollen dann auch weitere Einsatzvarianten des Smartphones Anwendung finden. So kann man sich von Seiten der japanischen Universität beispielsweise durchaus vorstellen, auch kleinere Prüfungen in Form von Fragebögen, die über das Mobilfunkgerät an die Studenten verschickt werden, abzuwickeln. Auch die Abgabe von schriftlichen Hausaufgaben und die Nutzung von Vorlesungsvideos seien denkbar. Um sicherzustellen, dass für die Hochschüler keine zusätzlichen finanziellen Bürden entstehen, hat die AGU bereits wissen lassen, dass sie die iPhone-Basiskosten übernehmen werde. (pte)

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