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Nokia kündigt mobiles Bezahlsystem an

30.08.2009 | 16:14 Uhr |

Der finnische Telekommunikationskonzern Nokia hat die Einführung eines mobilen Zahlungssystems angekündigt. Der Finanzdienst wird unter dem Namen Nokia Money gelauncht und soll es Mobiltelefonierern ermöglichen, grundsätzliche Bank- und Finanztransaktionen über ihre mobilen Endgeräte abzuwickeln.

Angaben von Nokia zufolge sieht das Konzept eine besonders einfache Handhabe vor. User werden Transaktionen einfach in Form von Anrufen oder per SMS erledigen können. In technischer Hinsicht basiert Nokia Money auf der bereits etablierten mobilen Bezahlplattform Obopay . Das neue Service soll im Zuge der Nokia World 2009 im September im Detail präsentiert werden und wird aller Voraussicht nach im Frühjahr 2010 schrittweise eingeführt. "Nokia Money wird über alle Mobilfunknetzwerke hinweg nutzbar sein und Datentransfers über verschiedene Technologien wie SMS, WAP, Java oder IVR erlauben. Somit werden die auf der M-Payment-Plattform angebotenen Dienste auch mit Mobiltelefonen anderer Hersteller in Anspruch genommen werden können", sagt Hannu Markus, Manager Communications bei Nokia, auf Anfrage von pressetext. Der Dienst werde auf Nokiageräten vorinstalliert und dadurch sofort funktionieren. Nokia arbeitet dafür mit Obopay, einem Provider mobiler Bezahlsysteme mit Sitz in Redwood City, zusammen, um das Mobiltelefon, insbesondere in Schwellenländern, zur Kreditkarte Nummer Eins zu machen. Die schon vorhandenen Dienste sollen mit neu entwickelten Elementen von Nokia ergänzt werden. Zum Beispiel soll ein Telefonbuch in Nokia Money integriert werden, was eine Überweisung schon per Namenswahl ermöglicht.

Obopay-Kunden mussten bislang nicht nur eine Registrierung durchführen, sondern ihre Accounts separat via Kreditkarte oder Bankkonto aufladen. Es spielte auch keine Rolle, ob Empfänger einen anderen Mobilfunkbetreiber wählten. Obopay konnte bislang nur in den Vereinigten Staaten und in Indien beansprucht werden. "Obopay ist eine bewährte und von US-Regulierungsbehörden in 48 Bundesstaaten lizenzierte Plattform. Bei Nokia Money wird zudem die neueste Verschlüsselungs- und Authentifizierungstechnik zum Einsatz kommen, was auch im Falle eines Datentransfers per SMS einen sehr hohen Sicherheitsstandard gewährleistet", meint Markus weiter.

In Europa spielte M-Payment lange Zeit nur im Content-Bereich eine Rolle. Auch in Deutschland lässt der Erfolg auf sich warten. Der Markt für mobile Finanzdienstleistungen hat jedoch laut CGAP, Arthur D. Little und Juniper Research auf lange Sicht enormes Wachstumspotenzial. Bei weltweit mehr als vier Mrd. Mobiltelefonierern und nur etwa 1,6 Mrd. Bankkonten birgt der Bedarf an einem Zugang zu leistungsfähigen und sicheren Bezahlservices große Chancen für Angebote wie Nokia Money in sich, so der einhellige Tenor unter Spitzenfunktionären bei Nokia und Obopay. Mit mobilen Bezahlsystemen könnten in den kommenden Jahren Hunderte Mio. Menschen, insbesondere Bewohner ländlicher Gegenden bedient werden, die keinen Zugang zu herkömmlichen Finanzdienstleistungen haben.

"Mobile-Payment ist als Dienstleistung noch nicht final entwickelt. Dabei sind technische Fragen wie die Sicherheit in der Abwicklung von Transaktionen jedoch nicht das entscheidende Problem. Viel schwieriger wird es sein, eine Änderung des Zahlungsverhaltens der Menschen herbeizuführen", gibt Jan Michael Hess, CEO der Berliner Beratungsfirma Mobile Economy , gegenüber pressetext zu bedenken. "Auch in puncto Händlerakzeptanz ist mit Schwierigkeiten zu rechnen. Ich sehe ein eigenes mobiles Bezahlservice von Nokia langfristig weder bei anderen Internethändlern wie Amazon oder Ebay noch in Supermärkten oder Tankstellen in der realen Welt etabliert", so der Experte. (pte)

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