220128

Kunden sind bereit für "grüne" Handys

17.10.2009 | 13:47 Uhr |

Rund die Hälfte der nordamerikanischen Handynutzer ist bereit, auf "grüne" Mobiltelefone umzusteigen. Allerdings müssten diese sich dazu in einer ähnlichen Preislage bewegen wie herkömmliche Geräte.

Denn nur sieben Prozent würden für ein umweltfreundliches Modell auch einen Premium-Preis bezahlen, so das Ergebnis einer Umfrage von ABI Research . Bei uns ist die Bereitschaft zum Umstieg auf Öko-Handys wohl noch größer. "Europa ist im allgemeinen etwas umweltbewusster als beispielsweise die USA", meint ABI-Analyst Michael Morgan gegenüber pressetext. Dem Interesse der Kunden an umweltfreundlichen Mobiltelefonen steht ein Mangel an Information gegenüber. "Nur vier Prozent gaben an, dass sie mit grünen Handys 'sehr vertraut' sind", sagt Morgan. Im Gegensatz zu den Bestandteilen von unweltfreundlichen Geräten selbst könnten die Nebenkosten der Fertigung eines nachweislich grünen Handys ein Stolperstein auf dem Weg zu deren größeren Verbreitung sein.

40 Prozent der Befragten in Nordamerika gaben an, dass sie sich bei vergleichbarem Preis, Featureumfang und Performance definitiv zugunsten eines umweltfreundlichen Handys entscheiden würden. Das ist laut ABI noch nicht unbedingt ein Hindernis für Öko-Geräte, obwohl gewisse recyclingfähige Komponenten etwas teurer sind. Die Hersteller würden die Verbraucherkosten aber in der Regel dennoch niedrig halten. Der Preisunterschied zwischen grünen und gewöhnlichen Handys sei nicht bemerkenswert. Problematischer sieht ABI Nebeneffekte. "Man muss eine Informationslawine verwalten, nur um zu beweisen, dass ein Produkt grün ist", meint Morgan. Denn Gruppen wie Greenpeace passen genau auf, ob Unternehmen "Greenwash" betreiben - also Produkte als grün anpreisen, die nicht sonderlich umweltfreundlich sind. Ein nachweislich grünes Handy herzustellen kann ABI zufolge eine komplette Umstellung der Lieferkette und des Herstellungsprozesses bedeuten - was mit entsprechenden Kosten für das Unternehmen verbunden ist.

Solarzellen sind ein Feature, mit dem manche Öku-Geräte wie beispielsweise Samsungs Blue Earth locken. Doch ob das wirklich umweltfreundlich ist, ist fraglich. "Ich habe festgestellt, dass es keine überzeugenden Belege dafür gibt, dass bei Handys solar auch grün ist. Das liegt daran, dass die zur Herstellung der Solarpanele aufgewendete Energie nicht innerhalb von zwei Jahren durch solares Laden wettgemacht werden kann", erklärt Morgan. Das Problem ist also, dass Kunden sehr oft ihre Geräte wechseln - etwa mit dem Eingehen neuer Verträge.

Für den Analysten ist klar, was für ein wirklich grünes Handy erforderlich ist. "Die drei Schlüsselfaktoren sind die Verwendung recyclebarer oder erneuerbarer Materialien, ein Sicherstellen, dass Handys auch wirklich recyclet werden, und die Einführung stromsparender Ladegeräte", so der Analyst. Noch wichtiger sei langfristig, die Lektionen aus der Umsetzung zu ziehen und breit anzuwenden. Dann könnte der Anteil der korrekt wiederverwerteten Handys global von nur acht Prozent im Jahr 2009 auf immerhin 17 Prozent im Jahr 2014 gesteigert werden. (pte)

0 Kommentare zu diesem Artikel
220128