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Kein Bedarf für Solar-Handys in Europa

18.07.2009 | 14:41 Uhr |

Der japanische Mobilfunker NTT DoCoMo hat mit dem Solar Hybrid SH-08A ein wasserfestes Solar-Handy vorgestellt, das in Japan ab September erhältlich sein wird. Damit antwortet der Konzern auf Solar-Modelle, mit denen die nationalen Konkurrenten diesen Sommer aufwarten.

Indes setzen besonders günstige Handys mit Solar-Panelen wie das im Juni in Indien gestartete Samsung-Gerät E1107 an, aufstrebende Märkte zu erobern. "Dort bieten Solar-Handys einen wirklich fundamentalen Vorteil, wenn es keinen Stromnetzzugang gibt oder die Stromversorgung diskontinuierlich ist", meint Gavin Byrne, Principal Analyst Handsets & Devices bei informa telecoms & media , im Gespräch mit pressetext. In Europa und den USA dagegen kommen Solar-Handys nicht recht in Schwung "wohl, da hier kaum echter Bedarf besteht." Das NTT-DoCoMo-Gerät verspricht Wasserfestigkeit bis zu einem Meter Tiefe und soll dem Mobilfunker zufolge selbst bei völlig leerer Batterie mit nur zehn Minuten Sonnenlicht immerhin ein einminütiges Gespräch ermöglichen. "Dass Solar-Handys gerade in Japan so durchstarten, liegt sicherlich an der dortigen Mentalität und Begeisterung für jegliches neue Feature", sagt Michael Morgan, Analyst im Bereich Mobile Devices bei ABI Research, gegenüber pressetext. Dabei ist für ihn fraglich, ob Solar-Handys gerade in Industriestaaten echte Chancen haben. "In der Hosen- oder Handtasche bringt ein Solar-Panel schließlich nichts", betont der Analyst. Dringend notwendig zur Stromversorgung von Handys etwa auf Reisen durchs amerikanische Hinterland sind Solar-Panele ebenfalls nicht. "Das meistverkaufte Handy-Zubehör in den USA sind Autoladegeräte", erklärt er.

Aufgrund des fehlenden echten Bedarfs sieht Morgan in den USA und Europa noch eher Chancen für High-End-Geräte, die umweltbewusste Nutzer ansprechen wollen wie etwa Samsungs Blue-Earth-Konzept. "Allerdings ist noch unklar, ob Solar-Panele bei Handys auch wirklich umweltfreundlich sind", meint der Analyst. Denn es sei möglich, dass der zusätzliche CO2-Footprint in der Herstellung letztendlich den CO2-Vorteil im Betriebsleben des Handys aufwiege. Auch liege das Hauptaugenmerk vieler Hersteller in Sachen Umwelt eher auf Recycling-Materialien und dem Verzicht auf giftige Chemikalien. Es sei also vorstellbar, dass Solar-Panele bei Öko-Smartphones auch langfristig keine große Rolle spielen werden.

Byrne wiederum betont, dass etwa in Nordeuropa ein solares Aufladen von Mobiltelefonen nicht sehr effizient wäre. Gerade bei Smartphones könnte es somit recht lange dauern, um allein mit Solarenergie auch nur ein Gespräch zu führen. "Die Frage ist, ob Nutzer in Industrienationen etwaige Mehrkosten, ein etwaiges Bruchrisko oder Design-Kompromisse akzeptieren würden", sagt der Analyst. Allerdings gäbe es gewisse Marktsegmente, wo sich Solar-Handys auch bei westlichen Nutzern durchsetzen dürften. Er verweist etwa auf Outdoor-Lifestyle-Geräte. "Wer in den schottischen Highlands auf Wandertour ist, wäre sicher froh, nötigenfalls mit einer halben Stunde Sonnenlicht wenigstens ein Gespräch führen zu können", meint Byrne.

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