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"mediaFLO" schielt nach Europa

12.07.2009 | 14:28 Uhr |

Mit der Technologie "mediaFLO" bietet Qualcomm eine Lösung für mobiles Fernsehen, die in den USA bereits 2007 in Zusammenarbeit mit Verizon Wireless erstmals den kommerziellen Betrieb aufgenommen hat. "Dass mediaFLO in den USA Zugkraft und Wachstum vorweisen kann, begeistert auch Interessenten in anderen Ländern", meint Bill Stone, Präsident der Qualcomm-Tochter mediaFLO Technolgies.

Da die Technologie mittlerweile vom European Telecommunications Standards Institute ( ETSI ) akzeptiert wurde, hofft man, in weiterer Folge unter anderem auch Europa erobern zu können - wo der Konkurrent DVB-H nicht recht in Fahrt kommt. Kein echter Konkurrent ist nach Ansicht von Qualcomm die Videoübertragung über normalen Mobilfunk. "Viele Betreiber in Europa glauben, dass LTE mobiles Fernsehen abdecken wird. Das ist eine Illusion", meint Siegmund Redl, Qualcomm Country Manager Germany. mediaFLO Technologies verweist diesbezüglich auf Masseninhalte wie populäre Shows oder Sportübertragungen. Setzt sich mobiler TV-Konsum durch, könnte der vielfache Empfang solcher Programme die Kapazität von 3G- und selbst LTE-Funkzellen schnell überlasten. Mit mediaFLO hingegen könne ein Sender beliebig viele Empfänger bedienen. "Bei Obamas Amtseinführung hat nur noch das mediaFLO-Netz funktioniert", nennt Stone ein Beispiel.

mediaFLO ist eine Konkurrenztechnologie zu DVB-H, das von der europäischen Kommission als Mobile-TV-Lösung präferiert wird. Doch während DVB-H etwa in Deutschland mit großen Problemen kämpft, hat mediaFLO in den USA mit AT&T bereits einen zweiten großen Mobilfunker als Partner gewonnen. Neben TV auf dem Handy strebt Qualcomm an, auch andere Endgeräte wie Unterhaltungssysteme in Fahrzeugen oder spezielle, mobile TV-Empfänger zu bedienen. Derzeit überträgt mediaFLO zwar nur mit QVGA-Auflösung (320 mal 200 Pixel), doch darin sieht man auch langfristig kein Hindernis. "Wir bleiben dem Marktsegment kleiner Bildschirme treu. Außerdem wird es mit der nächsten Generation Verbesserungen bei Encoding geben", sagt Stone auf Nachfrage von pressetext. Ebenso betont er, dass bei mobilem TV letztendlich die Stärke des empfangenen Signals sehr wichtig für die Wiedergabequalität sei.

Langfristig sollen Anbieter, die mediaFLO starten, auch von der Kombination aus mobilem TV und Mehrwertangeboten, die via 3G abgewickelt werden, profitieren. Interaktive Angebote wie der Austausch mit Freunden über das gerade laufende Programm, Abstimmungen oder das gleichzeitige Aufrufen von Statistiken bei Sportübertragungen könnten den mobilen Datenverkehr steigern und somit den Betreibern zugute kommen. mobileFLO selbst wiederum könne auch zur Massenübertragung von Daten - etwa Programme, die ein breites Publikum erreichen sollen - genutzt werden.

In den USA ist mobiles Fernsehen auf mediaFLO-Basis mittlerweile in über 100 Märkten vertreten. Mit der digitalen TV-Umstellung in den USA sind im Juni endlich Sendefrequenzen für die Ausweitung des Angebots etwa auf die Großstädte Boston, Houston, Miami und San Francisco verfügbar geworden. In Europa war bis zur Publikation einer entsprechenden ETSI-Spezifikation im Februar 2009 die mangelnde Akzeptanz durch Regulierungsstellen die größte Hürde. Nun ist für etwaige Starts, wie etwa in Deutschland, vielfach die fehlende Verfügbarkeit von Sendefrequenzen ein Hindernis. Doch hofft Qualcomm, dass nicht zuletzt der mangelnde Erfolg von DVB-H-Angeboten den Weg für mediaFLO bereiten könnte. "Wir könnten mit mediaFLO potenziell innerhalb von zwölf Monaten starten, wenn in Europa entsprechendes Spektrum akquiriert wird", meint Vicki Mealer, Senior Director of Product Management bei mediaFLO Technologies. Für Qualcomm ist dabei nach eigenen Angaben durchaus denkbar, lediglich die Rolle des Technologieanbieters zu spielen. (pte)

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