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Kabelnetzbetreiber warnen vor TV-Störungen

Der Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber (ANGA) warnt vor der Nutzung von Rundfunkfrequenzen für mobile Internet-Zugänge, die beispielsweise Vodafone gerade ausprobiert. ANGA vertritt 119 Unternehmen der deutschen Breitbandkabelbranche, darunter Kabel Deutschland, Unitymedia Group, Tele Columbus, Kabel Baden-Württemberg oder PrimaCom. Sie versorgen mehr als 18 Millionen Kabelkunden in Deutschland. Eine Untersuchung des Instituts für Rundfunktechnik (IRT) und von ANGA habe gezeigt, dass analoge und digitale Fernseh­programme bei Kabelkunden beeinträchtigt werden, falls die zukünftige Generation der mobilen Datenübertragung, Long Term Evolution (LTE), die selben Frequenzbereiche benutzt.

"Die durchgeführten Labor- und Feldtests haben unmissverständlich ergeben, dass eine Gleichkanalbelegung von Rundfunkdiensten im Kabel und mobilem Internet im Frequenzbereich 790 ? 862 MHz zu massiven Störungen des Fernsehempfangs beim Endkunden führt", sagt Carsten Engelke, technischer Leiter der ANGA. "Ursache ist weniger die Übertragung der Daten vom Sendemast zum Endkunden, sondern vielmehr die Rücksendung der Daten vom mobilen Endgerät in der Wohnung des Nutzers." Bei Sendestärken, die rund einem Hundertstel der Spitzenleistung eines GSM-Handys entsprechen, träten bereits Bildausfälle auf.

Besonders beunruhigend sei, dass bei nur geringfügig höheren Sendeleistungen diese Störungen auch durch eine 15 Zentimeter dicke Stahlbetonwand hindurch auftreten. Das Fernsehbild bei einem Kabelkunden könne daher durch die mobile Internetnutzung eines Nachbarn beeinträchtigt werden. Die Kunden und die Servicekräfte der Kabelunternehmen könnten in solchen Fällen die Probleme kaum lokalisieren. "Wir freuen uns daher in diesem Zusammenhang, dass das Pilotprojekt der Landesanstalt für Kommunikation in Baden-Württemberg die Auswirkungen auf den DVB-C Fernsehempfang im Kabel untersuchen wird", sagt Carsten Engelke.

Die Untersuchung zeige, dass sich die Störungen vorrangig auf die Rundfunkempfangsgeräte direkt auswirken. Durch die hohe Schirmung der Kabelnetze seien diese deutlich unempfindlicher gegenüber Störeinstrahlung als Endgeräte. Die beschriebenen Probleme würden später auch flächendeckend auftreten, denn das von der Bundesnetzagentur vorgelegte Eckpunktepapier zur Zuteilung der Frequenzen der digitalen Dividende sehe einen bundesweiten Regelbetrieb vor statt nur eine Beschränkung auf die sogenannten weißen Flecken.

Die Kabelnetzbetreiber erneuern daher ihre Forderung an die Politik, "vor einer Zuteilung dieser Frequenzen für mobiles Internet, die Auswirkungen auf die drahtgebundene Rundfunkverbreitung umfassend zu prüfen und Szenarien für eine verträgliche Nutzung zu entwickeln". Daran wird schon längst gearbeitet. Die Bundesnetzagentur plant bereits, die verwendeten Frequenzen so zu tauschen, dass die Mobilfunkgeräte möglichst weit von den TV-Frequenzen entfernt senden, um Störungen zu vermeiden.

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