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Mobile Malware kann durch Musik gesteuert werden

31.05.2013 | 15:39 Uhr |

Smartphones und Tablets stecken voller Sensoren. Diese könnten genutzt werden, um Malware fernzusteuern, ohne dazu eine Internet-Verbindung zu benötigen. US-Forscher haben die Möglichkeiten erkundet.

Bereits heute verfügen moderne Smartphones und Tablet-PCs über ein ganzes Arsenal unterschiedlicher Sensoren. Angefangen bei Kamera und Mikrofon, reicht die Palette über Lage- und Beschleunigungssensoren bis GPS und Magnetometer. Sie werden bereits von Apps für Zwecke genutzt, die über ihre ursprüngliche Bestimmung hinaus gehen. So dienen etwa Beschleunigungssensoren dazu Erdbeben zu erkennen.

Forscher der Universität von Alabama in Birmingham haben erkundet, wie diese Sensoren zur Steuerung mobiler Schädlinge eingesetzt werden können. Die Forscher um Dr. Ragib Hasan (SECRETLab) haben die Ergebnisse ihrer Arbeit kürzlich auf einer Sicherheitskonferenz in China präsentiert. Sie sind auch unter dem sperrigen Titel "Sensing-Enabled Channels for Hard-to-Detect Command and Control of Mobile Devices" als PDF-Datei erhältlich.

Im einfachsten Fall würde Malware auf einem Smartphone Sensoren nutzen, um in bestimmten Situationen aktiv zu werden (oder eben gerade nicht). So könnte sich ein Spionage-Schädling an einem bestimmten Ort aktivieren, das Mikrofon einschalten und eine vertrauliche Besprechung aufzeichnen.

Die US-Forscher haben jedoch mehr im Sinn. Sie steuern eine selbst programmierte Demo-App für Android über gezielte Signale von außen. Dazu spielen sie zum Beispiel ein Musikstück ab, in das steganografisch eine kurze Nachricht an die Malware eingebettet ist. Da die in Smartphones verbauten Mikrofone auch sehr tiefe, für Menschen nicht hörbare Frequenzen erfassen, können auch Vibrationen über einen Subwoofer benutzt werden.

Ähnlich funktioniert ein optisches Signal, das in einem Video (etwa in TV-Werbung) steckt. Gezielte Fluktuation der Raumbeleuchtung kann ebenfalls für die Signalübertragung verwendet werden. Dabei wird der Sensor für das Umgebungslicht angesprochen. Über Distanzen weniger Zentimeter lassen sich auch Magnete einsetzen, um Steuersignale zu übertragen.

Es handelt es sich bei den skizzierten Szenarien derzeit nicht um eine realistische Bedrohung. Die nutzbare Bandbreite liegt bei maximal fünf Bit pro Sekunde, was nur für kurze Steuersignale reicht. Die technische Umsetzung ist zudem nicht trivial, der Aufwand erheblich. Doch die technischen Fähigkeiten mobiler Geräte werden ständig weiter entwickelt.

Vielleicht werden es nicht Malware-Programmierer, sondern große Werbenetzwerke sein, die sich der aufgezeigten Möglichkeiten in der Praxis bedienen. Ortsabhängige Werbung gibt es ja schon. Werbespots oder aktive Reklametafeln könnten verdeckte Signale an Apps auf Mobilgeräten senden. Diese melden dann auf dem klassischen Datenkanal, dem Internet, zum Beispiel den Standort und weitere Nutzerdaten zurück.

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