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Kaum begonnen droht schon das Aus

Für das Handyfernsehen via DVB-H sieht es derzeit sehr schlecht aus. Die schleppende Frequenzvergabe seitens der Behörden, der technische Fortschritt bei anderen Standards und ein unklares Geschäfts- und Vertriebsmodell des Betreibers Mobile 3.0 könnten das Ende von DVB-H bedeuten, noch bevor es richtig in Betrieb ging.

Handyfernsehen via DVB-H kommt nicht aus den Startlöchern. Ursprünglich sollte der Sendebetrieb zur Fu0ball-EM 2008 deutschlandweit beginnen. Doch bislang ist das "Mäusekino", wie Spötter es nennen, nur in vier Großstädten zu empfangen, und dort auch nur im Testbetrieb. Getestet wird es aber in Deutschland schon seit über zwei Jahren. Der neue Plan sieht den Start zum Frühjahr 2009 vor. Allerdings ist selbst dieser Termin gefährdet, wie die Financial Times Deutschland (FTD) jetzt berichtet. Sogar die Einstellung des Projektes sei möglich.

Grund für die Verzögerungen sei die schleppende Frequenzvergabe in einzelnen Bundesländern. Obwohl sich die Gesamtkonferenz der Landesmedienanstalten mit dem Betreiberkonsortium Mobile 3.0 auf einen Sendestart im Juni 2008 geeinigt haben, konnten die Länder Bremen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Vergabe noch immer nicht abschließen und Sendefrequenzen für DVB-H freigeben. Doch erst nachdem alle Bundesländer Frequenzen freigegeben haben, kann mit dem Aufbau des Sendenetzes begonnen werden.

Auch der technische Fortschritt könnte für das Handyfernsehen via DVB-H das Aus bedeuten, noch bevor es richtig in Betrieb ging. Die Handys sind mittlerweile leistungsfähig genug, um Fernsehen via DVB-T zu empfangen. Der als "Überall-Fernsehen" beworbene Standard ist im Unterschied zu DVB-H schon deutschlandweit und vor allem kostenlos verfügbar. Das "echte Handyfernsehen", wie Mobile 3.0 es bezeichnet, wird mit Ausnahme der öffentlich-rechtlichen Sender verschlüsselt ausgestrahlt und ist nur gegen eine Monatsgebühr zu empfangen.

Ohnehin sieht es für das Geschäftsmodell "bezahltes Fernsehen auf dem Handy" schlecht aus. Zwar sehen Wirtschaftsanalysten darin ein großes Potenzial und einen neuen Markt, der hohe Umsätze generieren soll, doch die Markt- und Meinungsforscher zeichnen ein ganz anderes Bild. Die Akzeptanz von Handyfernsehen in der Bevölkerung ist gering, die Zahlungsbereitschaft noch niedriger. Als maximale Obergrenze sehen Experten eine Grundgebühr von 5 Euro für normales Fernsehen. Nur mit kostenpflichtigen Zusatzdiensten sei Gewinn zu erzielen.

Doch ein tragfähiges Geschäftsmodell liegt von Mobile 3.0 nicht vor. Auch die Vertriebswege kompatibler Endgeräte sind noch unklar. Ohne die Netzbetreiber wird es nicht gehen. Doch die nehmen DVB-H-Handys erst in ihr Angebot auf, wenn Mobile 3.0 sie an den Umsätzen beteiligt. Noch hätte das Konsortium keine Verhandlungen angeboten, teilten alle vier Netzbetreiber der FTD mit. Haben sich die Verlage Burda und Holtzbrinck sowie der südafrikanische Medienkonzern Naspers, die hinter Mobile 3.0 stehen, mit dem Vorhaben DVB-H übernommen?

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