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Handy mutiert zur persönlichen Informationszentrale Nummer eins

30.07.2008 | 13:40 Uhr |

Die Werbewirtschaft muss sich verstärkt mit dem Thema Mobile Marketing auseinandersetzen.

Zu diesem Schluss kommt Jens Grunewald, Managing Director bei Touchworks . "Wenn wir mit der Zielgruppe 14 bis 29 Jahre kommunizieren, kommen wir um das Mobile Marketing mittlerweile nicht mehr herum", so Grunewald gegenüber dem Branchenblatt Horizont. Die unglaubliche Vielfalt der mobilen Geräte mit ihren unterschiedlichen Standards mache es den Werbern allerdings schwer.

"Ein und dasselbe Angebot sieht auf unterschiedlichen Mobiltelefonen unterschiedlich aus. Das bedeutet für die Dienstleister, dass mobile Portale individuell ausgeliefert werden müssen", zitiert Horizont den Arvato-Mobile-Geschäftsführer Ralf Priemer. Viele Unternehmen böten kein mobiles Pendant ihres Internet-Auftritts an. In diesen Fällen sieht der Nutzer nur einen unvollständigen Ausschnitt auf seinem Handy.

"Wegen des kleinen Bildschirms macht es auf den meisten Handys derzeit noch keinen Sinn, auf herkömmliche, nicht für das Handy optimierte Webseiten zu surfen - die Abbildungen der HTML-Seiten sind zu klein, zu unübersichtlich und schwer zu navigieren. Neuerungen wie der mobile Safari-Browser des iPhones zeigen die Richtung, in die sich das mobile Internet entwickeln könnte - hin zu größeren Handyscreens und flexibleren Browsern", erklärt Jens Klemann von der Bad Homburger Unternehmensberatung Strateco .

Bei Betriebssystemen, Bedienungsmenüs, Bildschirmgrößen, Einrichtungsroutinen für Software, Internetzugangstechnologien, Browsertypen und Mobile TV-Standards gehe nach seiner Erfahrung jeder Hersteller seinen eignen Weg, um einen konkurrenzlosen Standard zu setzen. "Im Ergebnis springt genau das Gegenteil heraus. So müssen Spezialisten für die Erstellung von WAP-Seiten Informationen für rund 4.000 Handymodelle in ihren Datenbanken speichern", so Klemann, Co-Autor der Studie " Mobile Marketing ", die in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift "absatzwirtschaft" erstellt wurde.

Hindernisse bei der Verbreitung von mobilen Angeboten sieht Omar Khorshed, Vorstandschef der Düsseldorfer acoreus AG , vor allem auf Seiten der Mobilfunkunternehmen. Sie hätten zu lange versucht, Angebote zu etablieren, die an den Kundenbedürfnissen vorbeigehen. Daher fordert er, die Netze zu öffnen, um einen Ideenwettbewerb mit neuen mobilen Angeboten einzuleiten. Zudem sollten verstärkt lokale Dienste angeboten werden. Kunden würden sich am meisten für ortsbezogene Services interessieren. "Aufgrund der fehlenden technischen Reichweite gibt es allerdings noch keine nennenswerte praktische Reichweite für Location Based Services. Es mangelt an Handys, die mit GPS aufwarten", so der TK-Experte Klemann im Gespräch mit pressetext.

Für den Nahbereich könnte sich nach seinen Prognosen auch Bluetooth etablieren. "Es ist das derzeit bedeutendste Interaktionsmedium für die mobile Kommunikation am Point of Sale. Etwa 50 Prozent aller Geräte im Markt können an dieser Form der kabellosen Datenübertragung teilnehmen - Tendenz steigend. Effektiv genutzt wird die Funktion nur von zehn Prozent. Das liegt in erster Linie an den Schwierigkeiten bei der Handhabung. Zunächst muss der Handynutzer wissen, wie er Bluetooth einschaltet. Gelingt die Aktivierung, verbraucht man zuviel Strom. Um das Gerät mit einem anderen zu verbinden, ist eine ebenfalls recht komplizierte 'Koppelungsprozedur' erforderlich", moniert Klemann.

In den nächsten fünf bis zehn Jahren sollen diese Kinderkrankheiten nach Aussagen von Voice-Days-Sprecher Bernhard Steimel beseitigt werden und das Handy sich zur wichtigsten persönlichen Informationszentrale entwickeln. Dabei werde die Spracherkennung als Steuerungsinstrument seine Stärken ausspielen: "So hat das IBM-Haifa Research Lab die Software Pensieve vorgestellt, die mit mobilen Endgeräten erfasste Bild-, Ton- und Textdaten intelligent auswertet. Mit der neuen Technologie soll es möglich sein, seine persönliche Informationsflut in den Griff zu bekommen und sich besser an Namen, Personen, Gespräche und andere wichtige Daten zu erinnern. Das System verwendet nach Angaben von IBM assoziative Erinnerungstechniken, um Verbindungen zwischen verwandten Informationen herzustellen", erläutert Steimel. (pte)

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