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Mobilcom macht Rückzieher

12.01.2001 | 12:43 Uhr |

Nachdem die UMTS-Auktion beendet war, sorgte die Klage der Mobilcom gegen das Versteigerungsverfahren für einigen Wirbel. Nun hat das Unternehmen bekannt gegeben, dass es die Klage zurückzieht. Die Risiken und Kosten eines Prozesses wären zu hoch gewesen.

Die Telefongesellschaft MobilCom will nun doch nicht gegen die Gebühren für ihre UMTS-Lizenz (siehe Glossar) klagen. Nach eingehender Abwägung von Chancen und Risiken habe sich das Unternehmen aus dem schleswig-holsteinischen Büdelsdorf entschlossen, auf die Klage vor dem Verwaltungsgericht Köln zu verzichten, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Trotz guter Möglichkeiten, den Prozess zu gewinnen, könne das Verfahren mit einem Verlust der Lizenz enden. Dieses Risiko sei den Aktionären nicht zuzumuten. Zudem spare MobilCom die Prozesskosten in Millionenhöhe. Nach Presseberichten hätten diese Kosten rund 140 Millionen DM betragen.

MobilCom hatte im August 2000 für 16,4 Milliarden DM eine UMTS-Lizenz ersteigert. Das Unternehmen hatte zwar die Lizenzgebühr fristgerecht bezahlt, gleichzeitig aber Widerspruch gegen die Höhe eingelegt und später Klage vor dem Verwaltungsgericht eingelegt.

Nach Ansicht von Experten könnte das Versteigerungsverfahren gegen mehrere Rechtsnormen verstoßen, darunter das Haushaltsrecht, das Grundgesetz, das Kartellgesetz, die deutsche Finanzverfassung sowie verschiedene EU-Vorschriften.

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation hatte auf den MobilCom-Vorstoß mit Verwunderung reagiert. Das Unternehmen habe bereits im Vorfeld den Lizenz- und Versteigerungsbedingungen zugestimmt.

MobilCom-Chef Gerhard Schmid setzt voll auf den neuen Multimedia-Standard UMTS und hat dafür große Vorleistungen erbracht. Neben den reinen Lizenzkosten von 16,4 Milliarden DM hat er bei dem Ausrüster Ericsson einen Vertrag über 3,1 Milliarden DM für die Infrastruktur abgeschlossen.

Die Zinsen für die UMTS-Kosten und weitere Investitionen haben MobilCom bereits im Vorjahr in die roten Zahlen getrieben und Schmid erwartet erst ab 2007 wieder Gewinne. Der finanzielle Kraftakt ist nur zu bewältigen durch die Partnerschaft mit France Telecom, die 28,5 Prozent der MobilCom-Aktien besitzt. (PC-WELT, 12.01.2001, dpa/ mp)

PC-WELT Report: Was UMTS dem Verbraucher bringen soll

UMTS langsamer als versprochen? (PC-WELT Online, 08.11.2000)

UMTS-Versteigerung in Italien - Staatsanwalt ermittelt (PC-WELT Online, 25.10.2000)

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