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Scareware mit Support per Live-Chat

14.07.2010 | 14:53 Uhr |

Einige Online-Kriminelle bieten für ihre betrügerischen Schutzprogramme neuerdings sogar Kundendienst per Chat, Telefon und Mail. Die Probe aufs Exempel zeigt, dass man es im Chat tatsächlich mit Menschen zu tun hat, nicht nur mit automatischen Bots.

Online-Kriminelle verdienen mit betrügerischen Antivirusprogrammen, so genannter Scareware, inzwischen eine Menge Geld. Ein wenig davon scheinen sie zu investieren, um ihren Kunden (besser gesagt: Opfern) so etwas wie Support zu bieten, zum Teil sogar in verschiedenen Sprachen. Was das bringt, kann nur ein Versuch zeigen.

Nicolas Brulez vom Antivirushersteller Kaspersky Lab hat den hilfreichen Geistern auf den Zahn gefühlt und berichtet im Unternehmens-Blog über seine Erfahrungen mit der kriminellen Konkurrenz. Im Vergleich zu den ersten Ansätzen von Scareware-Kundendienst im April, die kaum eine Alibifunktion erfüllten, sind die Anbieter inzwischen ein ganzes Stück weiter.

Bei einer Chat-Sitzung hat Brulez mit trickreichen Fragen und Tests festgestellt, dass er tatsächlich mit einem Menschen kommuniziert und nicht nur mit einem automatischen Bot. Aus kulturellen Besonderheiten hat er außerdem gefolgert, dass die Call-Center in der Ukraine angesiedelt sein dürften. Denn dort und in Russland lassen Internet-Nutzer bei den Smileys oft nicht nur die Nase sondern auch die Augen weg - aus " :-)) " oder " :)) " wird " )) ".

Die unter vielen verschiedenen Namen verbreitete Scareware wird, wie Brulez ferner erfahren hat, in drei verschiedenen Fassungen angeboten. Was unverhofft auf dem PC landet, ist ein reiner Scanner (jedenfalls tut er so als ob). Zwischen diesem und der teuren, ebenso nutzlosen Vollversion gibt es beim Kundendienst noch eine Trial-Version mit einem Testzeitraum von einem Tag. Die soll die Viren, die der Scanner vorgibt gefunden zu haben, auch entfernen können. Außerdem erhält man beim Kundendienst Uninstaller für ältere Versionen, die ihren Zweck jedoch auch nicht zufriedenstellend erfüllen.

Chat-Support gibt es zumindest in englischer und russischer Sprache, wer eine andere Sprache spricht, erhält den Hinweis seine Anfrage per Mail einzusenden. Der Kundendienst ist offenbar tatsächlich rund um die Uhr besetzt - Nicolas Brulez hat seinen Versuch morgens um vier gestartet. Eine echte Hilfe sind die Chatter des ukrainischen Call-Centers naturgemäß nicht - es kann jedoch reichen, um bei unbedarften Scareware-Opfern den Anschein eines seriösen Anbieters zu wahren.

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