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Mit RFID gegen den Schwund

30.10.2006 | 11:44 Uhr |

Es ist erstaunlich, was in den Geschäften des Einzelhandels alles verschwindet. „Schwund“ heißt das im Deutsch der Branche. Ganz vorne liegen dabei Parfums und Rasierklingen sowie Damen- und Designerkleidung. Das Europäische Diebstahlsbarometer klärt, wie der Handel mit dem Thema RFID umgeht.

Das Anfang Oktober veröffentliche 6. Europäische Diebstahlsbarometer des britischen Instituts Centre for Retail Research (CRR) hat die Kosten durch Schwund und Kriminalität im europäischen Einzelhandel untersucht. Spannend ist dabei, wie der Einsatz von Radio Frequency Identification (RFID) im Handel gesehen wird.

Bis zum Jahr 2008, so das Europäische Diebstahlbarometer, wollen 73,9 Prozent der europäischen Einzelhändler bei den am meisten diebstahlgefährdeten Produkten auf Quellensicherung setzen - und zwar unter anderem mit RFID-Tags. Denn, so meinen die im Handel Verantwortlichen: „Quellensicherung ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Hierbei werden die Sicherungsetiketten am Ort der Herstellung im oder am Produkt angebracht. RFID soll die Waren zudem auf dem Weg vom Hersteller zum Händler schützen.

Aktuelles Beispiel ist der Cash & Carry-Konzern Metro. Gemeinsam mit Checkpoint Systems, einem Anbieter von auf RFID-Lösungen gegen Warenschwund, will man für das weltweite Großhandelsgeschäft der Metro Gruppe ein umfassendes Warenschwund-Management- und Quellensicherungs-Programm entwickeln.

Dem Diebstahlbarometer zufolge will ein Großteil der befragten Einzelhändler bis zum Jahr 2010 mit der Einführung der RFID-Technik beginnen. RFID habe für die Einzelhandelsbranche einen potenziell großen Nutzen. RFID werde, so die Studie, den Einzelhandel noch stärker verändern als die Einführung elektronischer Kassenterminals. Gleichwohl ist die Technik hier verglichen mit dem Einsatz in den Bereichen Transport und Herstellung bislang nur wenig verbreitet.

Die Vorteile des RFID-Einsatzes sieht der Einzelhandel in vielen Bereichen: RFID können Daten zu jedem einzelnen Artikel liefern und biete Informationen für die Bestandsplanung, Nachbestellung, Vorratsoptimierung, Logistik, Produktivität und Auslageoptimierung; sie senke die Verluste durch Unterschlagung. Kunden könnten durch intelligente Kundenkarten, auf denen die Einkäufe gespeichert werden, individuell angesprochen werden.

RFID sei aber vor allem auch für die Sicherheit wichtig. Die Technologie lasse sich zusammen mit anderen Sicherheitslösungen nutzen, um Massendiebstähle zu verhindern sowie als Beweis, dass ein Artikel gestohlen wurde oder eine Produktfälschung vorliegt. Außerdem lasse sich mit RFID dem so genannten Erstattungsbetrug entgegenwirken.

Die große Mehrheit (83,4 Prozent) der befragten europäischen Einzelhandelsunternehmen sehen in RFID eine Technologie, die in erster Linie zur Bestandskontrolle und im Vertrieb zum Einsatz gelangt. Produktsicherung und Verlustprävention wurden auf Rang 2 von 58,4 Prozent genannt. Weitere mögliche Einsatzfelder stellen demnach das Merchandising (20,9 Prozent) sowie Selbstbedienungskassen (12,5 Prozent) dar.

Welchen Produktreihen räumt der Handel bei der Kennzeichnung mit RFID-Tags die höchste Priorität ein? Genannt wurden hier: Spirituosen und Schaumwein, Kleinelektronik, Kosmetika und Hautpflegeartikel, Parfums und Eau de Toilette, DVDs und CDs, Videospiele und Computer-Software, Zigaretten und Tabakwaren, Computerwaren (Notebooks und weitere hochpreisige IT-Produkte), Textilien und Designer-Mode.

Aus der vierten Ausgabe des Europäischen Diebstahlbarometers von 2004 ging hervor, dass neun Prozent der Befragten mit RFID experimentierten. 2006 lautete die Frage: „Für welchen Zeitpunkt planen Sie einen Pilotversuch mit RFID?“. Die Ergebnisse machen deutlich, dass die RFID im Handel überraschenderweise vergleichsweise langsam vorangekommen ist.

Der Anteil derer, die davon ausgehen, RFID bereits in den kommenden sechs Monaten einzusetzen, beträgt nur 4,1 Prozent. Weitere 11,4 Prozent planen einen Pilotversuch binnen Jahresfrist; 15,5 Prozent für die nächsten zwölf Monate. Innerhalb von zwei Jahren wollen weitere 22,1 Prozent RFID testen. Nach diesen Aussagen wird bis 2008/09 ein Drittel der großen Einzelhandelsunternehmen (37,6 Prozent) Pilotprojekte in Angriff genommen oder abgeschlossen haben.

Weitere 17,6 Prozent der Einzelhändler gehen davon aus, dass RFID-Pilotversuche in ihren Unternehmen innerhalb der nächsten vier und 9,4 Prozent, dass sie innerhalb der nächsten sechs Jahre starten werden. Etwas mehr als ein Drittel der Einzelhändler (35,4 Prozent) plant derzeit keinen RFID-Einsatz. Ein Teil dieser Gruppe sagt, dass, Pilotversuche „irgendwann in den nächsten Jahren im Bereich des Möglichen“ lägen.

Was bedeutet dies für die tatsächliche Implementierung von RFID? Die von den Einzelhändlern gemachten Angaben deuten auf einen zeitlichen Abstand zwischen der Durchführung von Pilotversuchen und der tatsächlichen Implementierung einer Lösung von etwa zwei Jahren hin. Lediglich 7,3 Prozent der Einzelhändler gehen von einer Implementierung bereits in den nächsten beiden Jahren aus. Innerhalb von vier Jahren wollen weitere 32,6 Prozent das Implementierungsstadium erreichen. Innerhalb von sechs Jahren steigt mit den in dieser Zeit hinzukommenden 22,7 Prozent der Gesamtanteil der künftigen Nutzer auf 62,6 Prozent. Rund 24,6 Prozent erwarten, dass sich die Implementierung innerhalb der nächsten acht Jahre vollziehen wird, 12,8 Prozent gehen von einer längeren Frist aus.

„Im Unterschied zur RFID-Umfrage von 2005 plant die Mehrzahl der Einzelhändler kurz- bis mittelfristig, sich ernsthaft mit der Technologie zu beschäftigen. Nahezu 40 Prozent rechnen damit, in vier Jahren ein substanzielles Stadium der Implementierung erreicht zu haben.

Dies spiegelt einen beträchtlichen Wandel bei der Einstellung und den Erwartungen innerhalb der Einzelhandelsbranche wider und belegt, dass die Mehrzahl der Einzelhändler davon überzeugt ist, dass die RFID-Technologie künftig in großem Umfang innerhalb des Sektors eingesetzt wird“, heißt es in der Studie hoffungsfroh. Wir werden sehen, welche Ergebnisse zum Thema RFID die 7. Auflage des Europäischen Diebstahlsbarometers im kommenden Jahr ergeben wird.

Dirk Endlich, Business Manager Shrink Management Solutions und Marketing Manager von Checkpoint Systems Deutschland, Sponsor der von Professor Joshua Bamfield und dem Centre for Retail Reseach herausgegebenen Schwund-Studie.

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Inventar und Vertrieb

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Produktsicherung/Verlustprävention

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Merchandising

20,9

Selbstbedienungskassen

12,5

  • Spirituosen/Schaumwein

  • Kleinelektronik

  • Kosmetika und Hautpflegeartikel

  • Parfums

  • DVDs/CDs

  • Videospiele, Computer-Software

  • Zigaretten und Tabakwaren

  • Computer-Waren

  • Textilien

  • Designer-Mode

  • Hochpreisige Lebensmittel einschließlich Fleisch

  • Reiseapparate und Rasierklingen

  • Mobiltelefone

  • Schuhe

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