Auto & Technik auf PC-WELT

Audio- oder Multimedia-Systeme, Navis, eCall und mehr: Die Elektronik in modernen Autos wird immer ausgefeilter. Wir testen die Multimedia- und Multifunktionssysteme von Audi, BMW, Mercedes, Toyota und vielen Herstellern mehr.

2180866

Mirrorlink: Audi, BMW und Daimler haben kein Interesse

09.03.2016 | 12:56 Uhr |

Audi und BMW zeigen Mirrorlink die kalte Schulter. Damit könnte sich eine Vorentscheidung im Kampf zwischen Android Auto und Mirrorlink andeuten. Und Mirrorlink mittelfristig verschwinden. Update 9.3.: Auch Mercedes-Benz wendet sich von Mirrorlink ab.

Update 9.3.: Auch Mercedes-Benz wendet sich ab

Die offizielle Mirrorlink-Seite zählt Mercedes-Benz zu den Unterstützern, in der A-Klasse soll Mirrorlink verfügbar sein. Doch diese Angabe des Car Connectivity Consortium CCC, das hinter Mirrorlink steht, ist falsch. Das erklärte uns Benjamin Oberkersch, Pressesprecher von Daimler, auf unsere Nachfrage: „Die MirrorLink-Übersichtsseite irrt: Auch in der A-Klasse ist MirrorLink nicht verfügbar.“ Und weiter: „Wir haben die verfügbaren MirrorLink-Apps getestet und sind zu dem Schluss gekommen, dass diese aktuell nicht zur Mercedes-Benz User Experience passen. Daher haben wir MirrorLink vorerst nicht in unsere Fahrzeuge integriert.“

Die sehr diplomatisch gewählte Formulierung „passen nicht zur MB User Experience“ können wir nach unseren Tests bestätigen: Mirrorlink ist benutzerunfreundlich und oft auch unzuverlässig.

Ende des Updates, Beginn der ursprünglichen Meldung

Derzeit dürfte das vom Car Connectivity Consortium (CCC) betriebene Mirrorlink die am weitesten verbreitete Schnittstelle für die Integration von Android-Smartphones in das Infotainmentsystem von PKWs sein. Ob sich aber Mirrorlink auf lange Sicht durchsetzen kann oder mittelfristig nicht durch das von Google und der Open Automotive Alliance OAA verdrängt wird, ist noch offen.

...dass selbst Google Maps während der Navigation keine Karte anzeigt, ist ein Unding.
Vergrößern ...dass selbst Google Maps während der Navigation keine Karte anzeigt, ist ein Unding.

Mirrorlink legte einen holprigen Start hin, es gab viele Kompatibilitätsprobleme zwischen Smartphones und PKWs. Oft kam und kommt keine Verbindung zustande oder aber sie bleibt instabil. Und nur bestimmte Apps lassen sich mit Mirrorlink nutzen. Vor allem aber ist Mirrorlink bis heute relativ wenig intuitiv bedienbar und mit vielen Einschränkungen verbunden. Und optisch ziemlich unansehnlich. Ganz im Unterschied beispielsweise zu Apple Carplay, das funktional und optisch überzeugt. Und der direkte Konkurrent Android Auto, der genauso wie Mirrorlink für Android-Smartphones gedacht ist, erweist sich im Test als nutzwertiger und zuverlässiger.

Android Auto - So funktioniert das PKW-System von Google

Trotzdem unterstützen relativ viele Automobil-Hersteller derzeit (noch) Mirrorlink, eine Herstellerliste findet man auf dieser Seite. Wenn auch teilweise nur mit wenigen Modellen; Toyota zum Beispiel bietet in Deutschland nur den Aygo mit Mirrorlink an – das im Test im Aygo aber nicht zu gebrauchen war. Es sind überwiegend die so genannten Volumen-Hersteller, die Mirrorlink in ihre Fahrzeuge integrieren, Audi und BMW dagegen halten sich völlig zurück. Wir fragten also Audi und BMW, ob sie dem Car Connectivity Consortium beitreten und Mirrorlink künftig auch in ihre Fahrzeuge integrieren werden.

Apple Carplay - So integrieren Sie Ihr iPhone ins Auto

Michael Crusius, Pressesprecher von Audi für den Bereich Technologie/Innovationen sagte uns dazu: „Im CCC ist die VW-Group durch VW vertreten und Audi nur als Beobachter. Wegen der geringen Marktverbreitung und der fehlenden Integration bei Apple unterstützen wir bei Audi aktuell kein MirrorLink, nur Apple Carplay und Android Auto.“

Geringe Verbreitung also – das hat gesessen. Und was hält BMW von Mirrorlink? Nadja Horn, Pressesprecherin BMW Group ConnectedDrive erklärte uns: „Wir sind weiterhin nicht bereit, Mitglied von Googles Open Automotive Alliance (OAA) zu werden und haben auch nicht vor, Kundendaten weiterzugeben. Natürlich beschäftigt sich BMW im Rahmen von BMW ConnectedDrive auch mit den Themen Apple CarPlay und Google Android Auto. Zum aktuellen Zeitpunkt können wir aber keine Aussagen zu möglichen Verfügbarkeitsterminen machen." Und weiter: "Mirror Link unterstützen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht.“

Aus der neuen Preisliste für BMW X5 M und X6 M geht auf Seite 25 hervor, dass drahtloses Carplay 300 Euro Aufpreis kosten wird.
Vergrößern Aus der neuen Preisliste für BMW X5 M und X6 M geht auf Seite 25 hervor, dass drahtloses Carplay 300 Euro Aufpreis kosten wird.
© BMW

Update 23. Mai 2016: BMW bringt mit dem BMW X5 M und dem X6 M in der zweiten Hälfte 2016 seine ersten Fahrzeuge mit Carplay in den Handel. Der Aufpreis beträgt 300 Euro, dafür bekommt man aber sogar drahtloses Carplay. BMW würde damit zu den ersten Herstellern gehören, die drahtloses Carplay in ihren Fahrzeugen anbieten.

Liest man die letzte Antwort zwischen den Zeilen, so wird klar, dass BMW zwar nicht davon begeistert ist, mit Apple bei Carplay und mit Google bei Android Auto zusammen arbeiten zu müssen. Aber BMW denkt zumindest darüber nach – hier wird BMW der normativen Macht des Faktischen folgen müssen. Sprich: Wenn immer mehr Kunden nach Carplay und Android Auto verlangen, dann müssen es die Bayern einbauen.

Mirrorlink dagegen erscheint so unwichtig, dass BMW darauf verzichten kann. Genauso wie Audi.

Damit deutet sich diese Prognose an: Carplay und Android Auto werden mittelfristig Standard in den Infotainmentsystemen der Automobilbauer werden. Auch Toyota, das sich derzeit Carplay und Android Auto noch verweigert, wird irgendwann nachgeben müssen. Nach Mirrorlink aber wir in ein oder zwei Jahren kein Hahn mehr krähen.

Aus der neuen Preisliste für BMW X5 M und X6 M geht auf Seite 25 hervor, dass drahtloses Carplay 300 Euro Aufpreis kosten wird.
Vergrößern Aus der neuen Preisliste für BMW X5 M und X6 M geht auf Seite 25 hervor, dass drahtloses Carplay 300 Euro Aufpreis kosten wird.
© BMW
0 Kommentare zu diesem Artikel
2180866