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Zeigt Sehbehinderten-Hilfssysteme

14.06.2009 | 13:52 Uhr |

Am Freitag ging die zweitägige Mini-CeBit 2009 des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg (BSVH) zu Ende. Auf dieser Messe stehen technische Hilfsmittel für Sehbehinderte und Blinde im Mittelpunkt. Unter anderem haben Besucher die Möglichkeit, im Luis-Braille-Center das System "Tag It Guide" der Marburger Firma Dräger & Lienert Informationsmanagement das Blinden per RFID-Chips ein Abrufen von gesprochenen Informationstexten auf einem mobilen Endgerät erlaubt.

"Das System scheint gerade für Innenräume gut geeignet. Perspektivisch wäre es sicher auch für andere Nutzer interessant, da ja auch Sehende von einem Informationsmehrwert profitieren könnten", meint BSVH -Sprecher Heiko Kunert im Gespräch mit pressetext. Andere ausgestellte Produkte umfassen etwa eine Vorlese-Software für Handys sowie ein sprechendes MacBook Pro.

Das "Feldexperiment" mit dem Tag It Guide soll Dräger & Lienert zufolge zeigen, wie einfach eine Basisorientierung in einem Gebäude realisiert werden kann. "Es wäre wirklich relativ günstig, ein Gebäude mit RFID-Tags auszurüsten", meint dazu Kunert. Und auch die Pflege eines solchen Systems wäre relativ einfach. Um die Funk-Chips für Sehbehinderte leicht auffindbar zu machen, werden sie auf der Mini-CeBit mit fühlbaren Punkten verbunden. So wird es leicht, die vom Veranstalter bereitgestellten Informationstexte auf Milestone-Geräten des schweizer Herstellers Bones abzurufen. Grundsätzlich ist das Tag-It-Guide-System aber auch für andere Endgeräte geeignet. "Zunächst wäre es sicher besonders interessant, die Lösung dort anzubieten, wo auch das passende Endgerät angeboten werden kann", meint Kunert. Das könnte etwa Museen, die Räumlichkeiten von Behörden oder Einkaufszentren umfassen. Wenn sich die Erkenntnis über den Wert solcher Informationssysteme auch außerhalb der Sehbehinderten-Community durchsetzt, sei ein weitläufigerer Einsatz auch im Freien sicher vorstellbar, so der BSVH-Sprecher.

Auf der Mini-CeBit freilich erleichtert Tag It Guide zunächst das Auffinden einzelner Aussteller. Dazu zählt etwa das Unternehmen VERTICAL-Technologie , das ein MacBook Pro mit Mac OS X 10.5 Leopard, Screenreader, Braillezeile und deutscher Sprachausgabe zeigt. Damit können blinde Mac-Anwender alle gebräuchlichen Büroanwendungen allein per Tastatur bedienen. Ähnliche Hilfsmittel würden normalerweise für andere Plattformen angeboten, so Kunert. "Die VERTICAL-Lösung ist daher sehr interessant für den Arbeitsmarkt, wo Macs etwa in der Kreativbranche sehr verbreitet sind", erklärt der BSVH-Sprecher. Es sei ein wichtiger Schritt in Richtung Integration, dass auch Blinde ihren Arbeitscomputer frei wählen können.

Ein weiteres Highlight ist dem Veranstalter zufolge Textscout . Das ist eine Scansoftware der Firma Elumo für Handys, die Texte mithilfe der eingebauten Kamera erfasst. Das ermöglicht es Betroffenen, immer und überall unbekannte Dokumente, Preisschilder und Speisekarten zu lesen. In Sachen Lesen für Blinde werden natürlich auch Player zum Anhören von Büchern in DAISY XML gezeigt. Das Dokumentformat des DAISY Consortium hat herkömmlichen Hörbuchformaten voraus, dass seine Struktur eine gezielte Navigation innerhalb der Werke - quasi ein Blättern - ermöglicht. (pte)

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