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Microsofts Office Open XML soll zum Standard werden

Microsoft will sein für Office 12 geplantes "Office Open XML"-Format bei der ECMA (European association for standardizing information and communication systems) einreichen. Die europäische Standardisierungsorganisation soll das Format zum Standard erklären.

Im Kampf gegen die wachsende Konkurrenz aus der Open-Source-Community hat Microsoft laut einem Bericht unserer Schwesterpublikation Computerwoche eine neue Initiative gestartet. Gemeinsam mit Partnern plant der Softwaremulti, das eigene Dateiformat "Office Open XML" als Standard durchzusetzen. Dieser würde direkt mit dem "Open-Document"-Format konkurrieren, das vor allem quelloffene Programme wie Open Office oder Star Office nutzen. Office Open XML bildet die Grundlage für Microsofts Büropaket Office 12, das Ende nächsten Jahres auf den Markt kommen soll.

Die Gates-Company hat sich dazu der Unterstützung namhafter Unternehmen versichert, darunter Apple, Intel und mehrere europäische Großkunden wie BP oder die British Library. Gemeinsam legen sie die Spezifikationen dem Standardisierungsgremium Ecma International vor. Danach soll Office Open XML auch den Segen der International Organization for Standardization (ISO) erhalten.

Mit dem Schritt erhoffe sich Microsoft bessere Marktchancen in der öffentlichen Verwaltung, erklärte Alan Yates, General Manager für die Office-Produkte. Immer mehr Behörden verlangen von ihren Softwarelieferanten offene Standards, um die Interoperabilität ihrer Programme und der damit angelegten Dokumente sicherzustellen. Nach Angaben von Yates hat auch die EU-Kommission Microsoft dazu gedrängt, seine Dateiformate offen zu legen. Werbewirksam kündigte der Manager "das Ende geschlossener Dokumente" an. Um die Kompatibilität zu älteren Office-Anwendungen zu sichern, werde Microsoft seinen Kunden entsprechende Tools offerieren.

Ganz freiwillig dürfte Microsoft den Schritt allerdings nicht getan haben: Der Wunsch nach offenen Formaten entwickelt sich zur Bedrohung für Microsofts Office-Produkte. So will beispielsweise der US-Bundesstaat Massachusetts alle Behörden verpflichten, nur noch Office-Applikationen zu verwenden, die das Open-Document-Format nutzen.

Dabei handelt es sich um die Spezifikation "Oasis Open Document Format for Office Applications", die vor wenigen Monaten von der Organization for the Advancement of Structured Information Standards (Oasis) abgesegnet wurde. Zu den Protagonisten gehören Microsofts gefährlichste Konkurrenten: IBM, Sun, Novell, Oracle und Google. Erst kürzlich formierten sich die Rivalen der Gates-Company auf einer Konferenz im US-amerikanischen Armonk. Initiiert hatten die Veranstaltung IBM und Sun Microsystems. Neben Massachusetts prüften auch andere US-amerikanische Behörden die Nutzung von Open Document, erklärte James Gallt, Chef der National Association of State Chief Information Officers. "Es ist eine Grassroots-Bewegung, die klein anfängt und sich allmählich den Weg durch die Staaten und Behörden bahnt."

Microsoft Office 12 wird Open Document nicht nativ unterstützen. Anwender benötigen dazu Produkte von Drittanbietern. Unter Experten findet der jüngste Vorstoß der Gates-Company denn auch ein geteiltes Echo. Die Entscheidung, das eigene Dateiformat zu öffnen, sei zwar grundsätzlich zu begrüßen, kommentierte Stephen O'Grady, Analyst beim Beratungsunternehmen Redmonk. Doch es erscheine unlogisch, warum Microsoft stattdessen nicht einfach Open Document unterstütze. Nach seiner Einschätzung gibt es dafür nur eine Erklärung: Über die Mitarbeit in den Standardisierungsgremien wolle der Konzern die Kontrolle wahren und so Konkurrenten in Schach halten.

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