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Microsoft übernimmt Nokias Handy-Sparte

03.09.2013 | 09:26 Uhr |

Microsoft hat die Übernahme von Nokias Mobiltelefon-Sparte angekündigt. Die Übernahme lässt sich Microsoft viele Milliarden Euro kosten.

Microsoft wird die Mobiltelefon-Sparte von Nokia komplett übernehmen. Das hat das Unternehmen Dienstag früh (deutscher Zeit) angekündigt . Überraschend kam die Ankündigung nicht, denn bereits seit einiger Zeit wurde darüber spekuliert. Durch die Übernahme werden künftig alle Lumia-Geräte unter der Microsoft-Flagge angeboten und entwickelt.

Microsoft zahlt insgesamt 5,44 Milliarden Euro an Nokia. Darin enthalten sind 1,65 Milliarden Euro, die Microsoft für die Lizenzierung der Nokia-Patente für zehn Jahre zahlt. Hinzu kommen Optionsscheine im Wert von 1,6 Milliarden Euro, die Nokia jederzeit einlösen kann.

Die Übernahme beschränkt sich allein auf Nokias Mobiltelefon-Sparte. Microsoft übernimmt Nokia also nicht komplett. Nicht betroffen sind das von Nokia gemeinsam mit Siemens im Jahr 2007 gegründete Telekommunikationsunternehmen Nokia Solutions and Networks, das seit 2013 komplett Nokia gehört. Auch der Kartendienst Nokia Here und alle von Nokia gehaltenen Patente sind nicht Teil des Deals.

Nokia-Chef Stephen Elop tritt sofort zurück und wechselt zu Microsoft

Der bisherige Nokia-Chef Stephen Elop ist von seinem Posten bei Nokia zurückgetreten und übernimmt die Gesamtleitung der nun erweiterten Unternehmenseinheit Microsoft Devices and Studio Business. In dieser Position berichtet er direkt an den Microsoft-Chef Steve Ballmer. Julie Larson-Green, die bisher die Sparte angeführt hat, wird auch künftig das "Devices and Studios"-Team anführen und an Elop berichten. Sie soll sich vorerst in erster Linie um den Start der Xbox One im Herbst und Verbesserungen bei den Surface-Geräten kümmern. Die Übernahme soll bis zum Ende des ersten Quartal 2014 abgeschlossen werden.

Damit kehrt Stephen Elop nach rund drei Jahren zurück zu Microsoft. Der Kanadier Elop leitete von 2008 bis 2010 die Geschäftskunden-Abteilung bei Microsoft und wechselte dann zu Nokia, wo er als erster Nicht-Finne das Unternehmen als CEO anführte. In dieser Zeit schloss Elop eine enge Kooperation mit Microsofts Windows-Phone-Plattform.

Microsoft will die Marke "Lumia" lizenzieren und die bereits erhältlichen Smartphones auch weiterhin anbieten. Der Name dürfte dann künftig "Microsoft Lumia" lauten.  Nokia hat laut eigenen Angaben im zweiten Quartal 2013 insgesamt 7,4 Millionen Lumia-Smartphones verkauft.

Über ehemalige 32.000 Nokia-Mitarbeiter künftig bei Microsoft

Der scheidende Microsoft-Chef Steve Ballmer bezeichnet in einem Brief an die Mitarbeiter die Übernahme als "einen mutigen Schritt in die Zukunft", von der alle Mitarbeiter, Aktieninhaber und Kunden der beiden Unternehmen profitieren würden. Die Vereinigung beider "großartigen Teams", so Ballmer weiter, werde dabei helfen, Microsofts Anteile und den Profit bei Mobiltelefonen zu steigern.

Von der Übernahme dürften weltweit insgesamt um die 32.000 bei Nokia beschäftigten Mitarbeiter betroffen sein, die künftig von Microsoft ihre Gehaltschecks erhalten werden. Laut Nokia arbeiten davon 4.700 Mitarbeiter in Finnland. Etwa weltweit 18.300 Mitarbeiter sind in der Produktion beschäftigt.

Microsoft folgt mit Nokia der Strategie von Google mit Motorola

Vor fast zwei Jahren hatte Google die Übernahme von Motorola für 12,5 Milliarden US-Dollar angekündigt. Das Unternehmen wurde damit zum Hardware-Hersteller. Auch Microsoft dürfte mit der Übernahme von Nokia eine ähnliche Strategie verfolgen. Bisher lieferte Microsoft mit Windows Phone nur das mobile Betriebssystem für Smartphone aus und kann künftig auch die gesamte Hardware verantworten. Google hatte seinerzeit aber auch alle Motorola-Patente übernommen. Die Nokia-Patente umfasst der Deal von Microsoft allerdings nicht, sondern nur deren Lizenzierung für 10 Jahre.

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