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Microsoft durchsuchte Mails eines Hotmail-Kontos ohne Gerichtsbeschluss

21.03.2014 | 10:36 Uhr |

Microsoft hat die Mails eines Hotmail-Kontos durchsucht, ohne dass dafür ein Gerichtsbeschluss vorlag. Die Nutzungsbedingungen von Hotmail/Outlook.com erlauben das. Als Folge der Schnüffelaktion wurde ein Ex-Microsoft-Mitarbeiter verhaftet, weil er Unternehmensgeheimnisse verraten hatte.

Ein ehemaliger Microsoft-Mitarbeiter hatte aus Wut über Microsoft Teile des Quellcodes von Windows 8 und das Activation Server Software Development Kit einem Blogger zugespielt. Der Ex-Microsoft-Mitarbeiter wurde identifiziert und verhaftet. Wie jetzt aber bekannt wurde, durchsuchte Microsoft ohne Gerichtsurteil den Hotmail-/Outlook.com-Account eines Bloggers, um die Identität des ehemaligen Microsoft-Mitarbeiters herauszufinden.
 
Der ehemalige Microsoft-Mitarbeiter hatte den Code und das Kit nämlich an einen französischen Blogger geschickt. Dieser Blogger wandte sich an Microsoft, um sich die Echtheit des Codes bestätigen zu lassen. Daraufhin wurde Microsoft aktiv und durchwühlte die Mails des Bloggers, die sich in dessen Hotmail-Account befanden. Diesen Vorgang hat Microsoft gegenüber US-Medien bestätigt: „As part of the investigation, we (gemeint ist Microsoft; Anm. der Redaktion) took the step of a limited review of this third party's Microsoft operated accounts. While Microsoft's terms of service make clear our permission for this type of review, this happens only in the most exceptional circumstances.“

Ein Gerichtsbeschluss war dafür laut Microsoft nicht erforderlich, weil die Hotmail-Nutzungsbedingungen (insbesondere die Abschnitte 3 und 5) dies erlauben würden. Die Umstände seien aber ohnehin so gewesen, dass sie einen Gerichtsbeschluss ermöglicht hätten. Das alles passierte im September 2012.

Wie die amerikanische Nachrichtenseite The Verge berichtet, will Microsoft nun als Konsequenz aus diesem Fall die Bestimmungen für das Lesen von Outlook.com-Mails genauer festlegen und zudem künftig einen halbjährlichen Transparenzbericht über solche Vorgänge vorlegen.

Für Microsoft ist das Bekanntwerden dieser Schnüffel-Attacke eine peinliche Panne. Nicht nur weil Microsoft eines der US-Unternehmen ist, das bei der NSA-/Prism-Affäre ständig als Datenlieferant genannt wird. Sondern auch, weil Microsoft in er Vergangenheit Google dafür kritisiert hatte und mit der Aktion Scroogled immer noch kritisiert, dass Google die Mails seiner Googlemail-Nutzer für Werbezwecke lesen würde.

Jedenfalls sollte jedem Internetnutzer nicht erst seit diesem Hotmail-Fall klar sein, dass wichtige Daten - seien es Mails, Texte, Fotos, Videos oder sonst etwas - in unverschlüsselter Form nichts auf fremden Servern und Cloud-Diensten zu suchen haben.

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