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Microsoft, Yahoo & Facebook verraten Regierungsanfragen

18.06.2013 | 11:26 Uhr |

In den letzten Tagen haben Microsoft, Apple, Yahoo und Facebook verraten, wie viele Anfragen auf Herausgabe der Nutzerdaten von der US-Regierung sie bekommen hatten. Damit reagieren die Unternehmen auf die PRISM-Überwachungs-Affäre.

Die aktuelle PRISM-Überwachungsaffäre zieht weite Kreise. In einem Blog-Eintrag hat Yahoo-Chefin Marissa Mayer offengelegt, wie viele Nutzerdaten-Anfragen der US-Regierung zuletzt erfolgten. Zwischen dem 1. Dezember 2012 und dem 31. Mai 2013 wollten die Behörden demnach die Nutzerdaten in 12.000 bis 13.000 Fällen von Yahoo haben. Meistens sei es um Betrug, Mord und Entführungen gegangen. Genaue Zahlen dürfe man nicht nennen, das verbiete das Gesetz. Doch Yahoo fordert die Behörden auf, dieses Gesetz zu überdenken, damit man genauere Zahlen nennen dürfe. Gleichzeitig kündigt Yahoo an, noch im Sommer seinen ersten Transparency Report zu veröffentlichen, welcher die Regierungsanfragen des ersten Halbjahres 2013 aufzeigen soll. Diesen Report wolle man künftig zweimal im Jahr veröffentlichen. Damit folgt Yahoo dem Beispiel Googles , das schon länger regelmäßig über neugierige Regierungsstellen berichtet.

Apple meldet zwischen 4.000 und 5.000 Anfragen

Yahoo ist nicht der erste US-Konzern, der auf die Vorwürfe der Zusammenarbeit mit der NSA reagiert. Apple hatte bereits Montag öffentlich gemacht, dass im gleichen Zeitraum wie bei Yahoo zwischen 4.000 und 5.000 Anfragen von US-Behörden eingingen. In dem offenen Brief wiederholt Apple übrigens die Worte, für die es bereits Kritik geerntet hatte. Dort ist nämlich die Rede davon, dass man noch nie von PRISM gehört habe und dass man keinen "direkten Zugang" gewähre. Ob das Projekt sich Apple gegenüber mit anderem Namen vorgestellt und ob man von Apple indirekten Zugriff über eine Programmierschnittstelle erhalte, wird aus dem Statement wieder einmal nicht ersichtlich. In den Anfragen wollten die Behörden insgesamt zwischen 9.000 und 10.000 Nutzerdaten von Apple haben. Die Daten seien für Ermittlungen in Kriminalfällen und Belange nationaler Sicherheit gebraucht worden. Oft würden mit den Daten vermisste Kinder oder Alzheimer-Patienten gesucht werden, sagt Apple. Eigenen Aussagen nach verweigert Apple auch manche Anfragen, wenn der Grund der Anfrage nicht plausibel erscheint. Außerdem weist Apple darauf hin, dass der Datenversand zwischen iMessage- und FaceTime-Nutzern verschlüsselt sei und nicht einmal Apple selbst ihn entschlüsseln könne.

Facebook: zwischen 9.000 und 10.000 Anfragen

Auch Facebook gibt an , sich gegen lückenhaft begründete Anfragen der Regierung zu wehren. In den letzten sechs Monaten des Jahres 2012 sollen die US-Behörden zwischen 9.000 und 10.000 Anfragen gestellt haben. Diese Anfragen sollen insgesamt die Herausgabe von 18.000 bis 19.000 Nutzerdaten gefordert haben. Auch Facebook führt als Beispiel das Auffinden eines vermissten Kindes an.

Microsoft: Regierung will fast 32.000 Nutzerdaten wissen

Relativ früh hatte sich Microsoft zu Wort gemeldet . In Redmond sollen in den letzten sechs Monaten des Jahres 2012 zwischen 6.000 und 7.000 Anfragen eingetrudelt sein. Diese hätten zwischen 31.000 und 32.000 Nutzer-Accounts umfasst.

Fazit

Die Zahl der Anfragen verrät nicht, wie viele Daten Yahoo, Microsoft und Co. letztendlich preisgegeben haben und wie oft sie sich den Behörden widersetzen konnten. Aus den veröffentlichten Zahlen geht auch nicht hervor, wie viele der Anfragen auf das Konto von PRISM gehen und wie viele auch ohne dieses Projekt gestellt worden wären. Das einzige, was man sicher ableiten kann, ist ein reger Gebrauch der gesetzlichen Grundlagen zur Anforderung privater Nutzerdaten. Bei Google, welches die Statistiken der Regierungsanfragen auf Herausgabe von Nutzerdaten bereits länger führt, kann man außerdem sehen, dass sich die Anfragen seit 2009 deutlich vermehrt haben. Von knapp 3.500 pro Halbjahr auf fast 8.500 in den USA.

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