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Microsoft zahlt an Sun

24.01.2001 | 11:59 Uhr |

Microsoft und Sun haben sich nach einem drei Jahre dauernden und erbittert geführten Streit außergerichtlich geeinigt. Der Softwareriese aus Redmond gibt nach und zahlt 20 Millionen Dollar für die weitere Verwendung der Java-Lizenzen von Sun. Doch langfristig plant man bei Microsoft schon anders.

Microsoft und Sun haben sich nach einem drei Jahre dauernden und erbittert geführten Streit außergerichtlich geeinigt. Der Softwareriese aus Redmond gibt nach und zahlt 20 Millionen Dollar für die weitere Verwendung der Java-Lizenzen von Sun. Doch langfristig plant man bei Microsoft schon anders.

Diese außergerichtliche Einigung kam einen Tag vor der anberaumten Anhörung vor Gericht zu Stande. Neben der Zahlung akzeptiert Microsoft die Beendigung der ursprünglichen Lizenzvereinbarung, von 1996, wie die Redmonder am Dienstag Nachmittag bekannt gaben. Die Lizenz läuft in zwei Monaten ab. Außerdem müssen alle künftigen Produkte des Microsoft-Konzerns einen Kompatibilitätstest von Sun bestehen.

Im Gegenzug bekommt Microsoft das Recht eingeräumt, weitere sieben Jahre diese Technologie in seinen aktuellen und derzeit im Beta-Test befindlichen Produkten zu verwenden. Diese Software basiert auf der 1.1.4-Version von Suns Java. Von künftigen Weiterentwicklungen von Java bleibt Microsoft jedoch ausgeschlossen, da diese neueren Versionen der populären Programmiersprache nicht mehr in Microsoft-Produkten verwendet werden dürfen. Redmond könne somit nur noch "eine veraltete Version unserer Technologie einsetzen, aber sie können Java nicht für .net verwenden", wie Sueltz frohlockte. Pat Sueltz ist der verantwortliche Vizepräsident von Suns Software-Systems-Abteilung.

Außerdem darf Microsoft Suns Java-Kompatibilität-Schutzmarke auf seinen Produkten nicht verwenden. Gemeint ist damit das berühmte Logo mit der Tasse dampfendem Kaffee, das weltweit als Symbol für Java gilt. "Coffee" ist in den USA ein Synonym für Java.

Scott McNealy, der Boss von Sun Microsystems, kommentierte die Vereinbarung mit den Worten: Diese Übereinkommen würde "die künftige Integrität der Java-Technologie bewahren". Und er fährt fort:: "Es ist ganz einfach: Die Einigung ist ein Sieg für unsere Kunden und Lizenznehmer. Damit wird der Wert unserer Technologie geschützt".

Auch Microsoft zeigt sich mit diesem Kompromiss zufrieden, wie Tom Burt, Microsofts stellvertretender Berater für Rechtsangelegenheiten, betonte. "Die Vereinbarung stärke Microsofts Fähigkeit zur eigenständigen Entwicklung von Technologien in Konkurrenz zu Suns Produkten". In Remond plant man längerfristig ohnehin ohne Java. Stattdessen will Microsoft seine eigene Entwicklungsplattform zur Marktreife weiterentwickeln.

Nachdem Microsoft und Sun 1996 ihre Lizenzvereinbarung geschlossen hatten, brach der Streit im Oktober 1997 aus. Im November verklagte Sun Microsoft wegen Vertragsbruch, weil diese eine Javaversion vertrieben, die zu der von Sun inkompatibel war. Im Mai 1998 wurde die Klage von Sun noch um die Vorwürfe des unlauteren Wettbewerbs und eines Verstoßes gegen das Urheberrecht erweitert. Microsoft reagierte mit einer Gegenklage.

Die Programmiersprache Java ist eine Entwicklung von Sun, die sich binnen kürzester Zeit als Entwicklungsgrundlage besonders für Webapplikationen etabliert hat. Ihre Stärke liegt in der Plattform-Unabhängigkeit. Microsoft hat ein eigenes Java-Derivat entwickelt. (PC-WELT, 24.01.2001, hc)

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