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Microsoft übergibt EU weitere technische Informationen

23.11.2006 | 17:11 Uhr |

Buchstäblich auf den letzten Drücker hat Microsoft der Europäischen Kommission weitere technische Informationen zu seinem Windows-Betriebssystem zukommen lassen. Die zunehmend ungeduldig werdende EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hatte Microsoft für die Einreichung der Dokumente eine letzte Frist bis zum heutigen Tag gesetzt.

Der Zwist zwischen Microsoft und der EU-Kommission zieht sich schon über Jahre. Im Jahr 2004 befand die Kommission, dass das Unternehmen seine marktbeherrschende Stellung unzulässig ausnutzt und andere Software-Anbieter daran hindert, zu Windows kompatible Produkte auf den Markt zu bringen. Im konkreten Fall geht es um Serverprodukte, hier hatten verschiedene Konkurrenten wie etwa Sun Microsystems oder Red Hat gegen Microsoft geklagt. Microsoft wurde in der Folge dazu verdonnert, ausreichend technische Informationen über Windows bereit zu stellen. Diese Informationen sollen es letztlich anderen Herstellern ermöglichen, Arbeitsgruppen-Server zu entwickeln, die mit Windows kompatibel sind.

Bereits Ende Juli legte der Konzern erste Informationen vor, diese reichten der Kommission aber nicht aus. Sie verlängerte daher die Abgabefrist bis zum heutigen Donnerstag. Wäre die Frist nicht eingehalten worden, hätte die Zahlung eine Strafe in Höhe von drei Millionen Euro gedroht - täglich, zurückdatiert auf Juli 2006.

Microsoft bezeichnete die Übergabe der neuen Informationen als "wichtigen Meilenstein". Auch die Kommission gibt sich vorerst zufrieden: "Nun sind die Einreichungen von Microsoft es wert, untersucht zu werden", so Jonathan Todd, Sprecher der Kommission. Und weiter: "Lizenznehmer werden nun in die Zentrale von Microsoft in Redmond eingeladen werden, um sie zu prüfen."

Die neu eingereichten Dokumente erweitern die im Juli bereitgestellten Informationen um weitere technische Details. Bereits dieses Material umfasste über 100 Dokumente mit insgesamt rund 8500 Seiten, so Microsoft. Mit der Erstellung der Dokumente und deren Revision waren laut Unternehmen über 300 Ingenieure beschäftigt.

Raus aus dem Schneider ist das Unternehmen damit aber noch nicht. Sollten die Konkurrenzunternehmen bei der Sichtung des Materials zu dem Schluss kommen, dass es auf Grund dieser Informationen nicht möglich ist, Server-Produkte zu entwickeln, die problemlos mit Windows harmonieren, droht weiterhin die bereits angesprochene Strafe von drei Millionen Euro täglich - rückdatiert bis Juli 2006.

Darüber hinaus könnte dem Konzern wegen der Verzögerung auch eine Strafe in selber Höhe für die Zeit zwischen Juli 2006 und dem heutigen Datum aufgebrummt werden. Darüber hat die Kommission aber noch nicht entschieden.

Microsoft legt neue Windows-Informationen in Brüssel vor (PC-WELT Online, 31.07.2006)

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