57392

Microsoft setzt auf neue Lizenztechnologie

27.03.2001 | 15:38 Uhr |

Auf der CeBIT wurde eine neue Lizenztechnologie vorgestellt, die künftig althergebrachte Lizenzmodelle ad acta legen soll. Bei diesem Modell zahlt der Kunde nicht einmalig für eine Vollversion, sondern wird lediglich für die tatsächliche Nutzung zur Kasse gebeten.

Auf der CeBIT wurde vom Software-Entwickler PC Ware nach 13-monatiger Entwicklung ein neuartiges Lizenzmodell vorgestellt. Bei diesem Modell erwirbt der Anwender nicht mehr die Vollversion einer Anwendung, sondern kann diese je nach Bedarf freischalten und offline nutzen. Als erstes Software-Unternehmen ist Microsoft bereits mit von der Partie.

Die so genannte "e-Licensing"-Technik funktioniert ähnlich wie ein Pre-Paid-Handy. Der Anwender installiert die Software von PC Ware und gibt seine Bankverbindung an. Über diese Software, die mit einem Passwort sowie einer PIN geschützt ist, erwirbt der Anwender so genannte "el-Coins". Jede dieser "Münzen" gestattet nun dem Nutzer, eine Software für einen bestimmten Zeitraum zu nutzen.

Beispielsweise könnten im so genannten "el-Trust-Center" für fünf Euro "el-Coins" zur Nutzung von Microsoft Word gekauft werden. Die Nutzung der Software kostet wiederum für 30 Minuten einen Euro. Somit kann der Anwender Word für 2,5 Stunden einsetzen. Die Nutzungszeit wird hierbei sekundengenau erfasst, falls die Anwendung beispielsweise minimiert wird, oder ein Screensaver läuft, wird nichts berechnet. Im "el-Trust-Center" werden die Nutzungsdaten der Anwender gesammelt und die dementsprechenden Beträge an die Software-Hersteller weitergeleitet.

Das Interessante an dieser Technologie ist, dass die Software von PC Ware die Anwendungen eigenständig erkennt und somit keinerlei Änderungen an der Software vorgenommen werden müssen. Auch die Einsatzmöglichkeiten sind im Grunde unbegrenzt.

So könnte sich der Vorstandsvorsitzende von PC Ware, Dr. Knut Löschke, durchaus vorstellen, dass künftig komplette PCs oder Drucker gratis abgegeben werden und der Anwender lediglich für die Nutzungsdauer oder pro Druckvorgang bezahlt.

Diese Art der Lizenzvergabe hat nach Dr. Löschke mehrere Vorteile: Zum einen ist die Lizenzierung von Software künftig einfacher durchschaubar - jede Software ist so lange lizenziert, bis die zugehörigen "el-Coins" aufgebraucht sind. Zum anderen soll durch dieses Modell Software-Piraterie bekämpft werden, da seiner Ansicht nach der Großteil der Nutzer eher bereit wäre, lediglich für die jeweilige Nutzung zu zahlen, da Wenig-Nutzer beispielsweise nicht auf den Preis einer Vollversion kämen.

Offen blieb jedoch die Frage nach der tatsächlichen, künftigen Kostenstruktur für Endanwender. Weder Microsoft noch PC Ware konnten Angaben dazu machen, wie viel die Nutzung von Word oder Excel pro Minute kosten sollen. Die bereits bezahlten "el-Coins" sollen jedoch bei einem eventuellen Kauf der Vollversion auf den Kaufpreis angerechnet werden.

Ab April starten nach Angaben von PC Ware erste Pilotversuche mit dem neuen Lizenzmodell. (PC-WELT, 27.03.2001, mp)

Microsoft will Privatleuten an den Kragen (PC-WELT Online, 16.02.2001)

Jetzt offiziell: Windows XP-Kopierschutz auch in Deutschland (PC-WELT Online, 06.02.2001)

Software mieten statt kaufen (PC-WELT Online, 26.02.2001)

Kostenlose Software im Netz (PC-WELT Online, 23.05.2000)

0 Kommentare zu diesem Artikel
57392