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Microsoft schuldig

Microsoft ist wegen Verstoßes gegen die US-Kartellgesetze schuldig gesprochen worden. Der Richter urteilte, dass der Software-Hersteller seine Marktmacht beim PC-Betriebssystem Windows zur Verdrängung von Konkurrenten aus dem Internet-Geschäft missbraucht hat.

Microsoft ist wegen Verstoßes gegen die US-Kartellgesetze schuldig gesprochen worden. Richter Thomas Penfield Jackson urteilte, dass der Software-Hersteller seine Marktmacht beim PC-Betriebssystem Windows missbraucht hat, um Konkurrenten aus dem Internet-Geschäft zu verdrängen.

Verhandlungen über einen außergerichtlichen Vergleich waren am Wochenende ergebnislos abgebrochen worden. Bereits im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Urteilsverkündung war der Kurs der Microsoft-Aktien am Montag eingebrochen. Er sank um 14,47 Prozent auf 90 7/8 Dollar. Die Aktien waren damit zum Börsenschluss nur noch insgesamt 472,99 Milliarden Dollar wert, rund 80 Milliarden Dollar (164 Milliarden Mark) weniger als am vergangenen Freitag. In Deutschland hatte die Aktie am Montag in Frankfurt zu einem Kurs von 96,90 Euro geschlossen und eröffnete am Dienstag mit 96,0.

Jackson wird in den kommenden Monaten über Strafmaßnahmen gegen Microsoft entscheiden. Im Extremfall könnte er für eine Zerschlagung des Unternehmens plädieren. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass es dazu jemals kommen wird. Microsoft hatte bereits angekündigt, im Falle einer Verurteilung in Berufung zu gehen.

Beobachter glauben auch, dass der Software-Riese über das Urteil gar nicht so unglücklich ist. Die Anwälte Microsofts seien zu dem Schluss gekommen, dass sie vor dem Berufungsgericht wesentlich günstigere Bedingungen erreichen könnten als in einem Vergleich. Dabei wir es zunächst darum gehen, die schlimmsten Auflagen abzuschwächen und dann deren Aussetzung bis zur Entscheidung in nächster, wahrscheinlich milderer Instanz durchzusetzen. Und da die Strafe während der Berufung ausgesetzt werde, könne das Unternehmen weiter neue Produkte auf dem Markt bringen.

Mit dem Urteilsspruch wird auch eine Welle von Klagen erwartet - Konkurrenten und Kunden von Microsoft werden Wiedergutmachung fordern, weil sie von dem Monopolisten geschädigt worden seien. Auch diese Verfahren werden sich Jahre hinziehen. (PC-WELT, 04.04.2000, dpa/ sp)

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