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Microsoft gesteht: Wir setzen Open Source auf unseren Servern ein

19.06.2001 | 11:32 Uhr |

Microsoft lässt keine Gelegenheit ungenutzt, um gegen Open Source-Software zu lästern und vor deren Einsatz zu warnen. Allerdings hindert dies den Redmonder Software-Riesen nicht daran, selbst das Open Source Betriebssystem FreeBSD auf einigen seiner Server einzusetzen. So lief lange Zeit der Freemail-Service Hotmail unter FreeBSD, wie ein Sprecher von Microsoft bestätigte. In Windows 2000 sollen ebenfalls Codeteile implementiert sein.

Microsoft lässt keine Gelegenheit ungenutzt, um gegen Open Source-Software zu lästern und vor deren Einsatz zu warnen. Allerdings hindert dies den Redmonder Software-Riesen nicht daran, selbst das Open Source Betriebssystem FreeBSD auf einigen seiner Server einzusetzen. So lief der Freemail-Service Hotmail unterFreeBSDwie ein Sprecher von Microsoft gegenüber Betanews bestätigte.

Microsoft hat im Jahr 1997 Hotmail gekauft. Die Server des Freemail-Dienstes liefen unter FreeBSD und Apache. Microsoft war mit der Leistungsfähigkeit des kostenlos erhältlichen Unix-Derivates offensichtlich so zufrieden, dass es diese Technik jahrelang beibehielt. Im letzten Sommer verkündete der Softwaregigant jedoch, FreeBSD von seinen Servern entfernt und durch Windows 2000 ersetzt zu haben. Der Grund sei unter anderem das "vitale Bedürfnis nach größerer Performance" gewesen.

Entgegen dieser Mitteilung scheinen die Hotmail-Server jedoch nicht vollständig auf Windows 2000 umgestellt worden zu sein. Wie Betanews unter Berufung auf das "Wall Street Journal" berichtet, setzt Microsoft das Ope-Source-System immer noch für DNS Hosting und für andere Internet Dienste ein. Außerdem sollen Code-Teile von FreeBSD in Windows 2000 entdeckt worden sein.

Wie Rick Miller, ein Sprecher von Microsoft, gegenüber Betanews bekannt gab, würde FreeBSD zu geringen Teilen in der Netzwerk-Struktur von Microsoft eingesetzt. Der frühere massive Einsatz von FreeBSD auf Hotmail-Servern sei jedoch nur ein "Erbe" des Erwerbs des Freemail-Dienstes gewesen.

Auf die Frage, wie sich die massive, öffentlich vorgetragen Kritik von Microsoft an Open Source-Software und deren gleichzeitiger Einsatz im Konzern verträgt, kam von Miller eine verblüffende Antwort: "Wir sind uns darüber völlig im Klaren, dass das Open-Source-Modell (auch) Vorteile hat". Das klingt ein wenig anders als die Bemerkung von Microsofts CEO Steve Ballmer, dass "Open Source-Technologie ein Krebsgeschwür sei". Hier sei Ballmer Miller zufolge missverstanden worden. Ballmers Kritik hätte sich nur auf die GPL (General Public Licence) bezogen. Software, die unter die Bestimmungen der GPL fällt, kann kostenlos von jedem Benutzer eingesetzt, weitergegeben und verändert werden.

In Insider-Kreisen wird schon seit längerem kolportiert, dass Microsoft auf seinen hauseigenen Servern Unix beziehungsweise Linux-Derivate einsetzen würde. Der Grund dafür sei angeblich die größere Stabilität dieser Produkte.

Microsoft warnt vor Linux-Einsatz (PC-WELT Online, 09.05.2001)

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