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Microsoft fordert: Wenn AOL-Icon, dann auch MSN-Icon

31.07.2001 | 13:30 Uhr |

Der Desktop in Windows XP hätte so schön leer sein können. Doch nun verdichten sich die Hinweise darauf, dass die Icon-Flut auch vor Windows XP nicht halt machen wird. Microsoft fordert die PC-Hersteller auf, ein MSN-Logo auf den Desktop von Windows XP zu platzieren, falls ein Icon eines Mitbewerbers zu sehen ist.

Der Desktop in Windows XP hätte so schön leer sein können. Doch nun verdichten sich die Hinweise darauf, dass die Icon-Flut auch vor Windows XP nicht halt machen wird. Microsoft fordert die PC-Hersteller auf, ein MSN-Logo auf den Desktop von Windows XP zu platzieren, falls ein Icon eines Mitbewerbers zu sehen ist.

"Wir würden es bevorzugen, wenn Windows XP mit einem leeren Desktop ausgeliefert werden würde", so der Microsoft-Sprecher Viveck Varma. Sollte sich ein PC-Hersteller allerdings dafür entscheiden Icons auf dem Desktop zu platzieren, "fordern wir ihn auch dazu auf, ein MSN-Icon als eines dieser Icons auszuwählen", so Varma weiter.

Erst Anfang Juli hatte Microsoft auf Druck der Gerichte die Lizensierungsregeln gelockert und den Herstellern von PCs die Freiheit gegeben, selbst über das Aussehen der Betriebssystems-Oberfläche von Windows XP bestimmen zu können.

In der Vergangenheit hatte Microsoft immer einen "sauberen" Desktop für Windows XP propagiert. Lediglich ein Icon für den Papierkorb sollte den Anwender beim ersten Start von Windows XP begrüßen. Damit der Desktop von Icons verschont bleibt, wurde auch das Startmenü um einige Funktionen erweitert.

Die gelockerten Lizensierungsbedingungen nutzte allerdings der Computerhersteller Compaq, um mit AOL Time Warne eine Vereinbarung zu treffen. Inhalt der Absprache: Auf Compaq-Rechnern mit Windows XP soll ein AOL-Icon an prominenter Stelle auf dem Desktop platziert wird. Dafür erhält der Computerhersteller 35 Dollar für jeden Anwender, der sich bei AOL anmeldet.

Microsoft will sich dies nicht kampflos gefallen lassen und verweist auf eine Klausel in den Lizensierungsregeln, die besagt, dass ein PC-Hersteller verpflichtet ist, ein Icon für den MSN-Zugang auf dem Desktop zu platzieren, wenn ein Icon von einer Dritt-Firma auf dem Desktop angezeigt wird.

"Wir setzen weiterhin auf unsere Strategie, dass AOL das einzige Icon auf dem Desktop sein wird", wiegelt Roger Frizell, Sprecher von Compaq ab. Microsoft sei noch nicht mit seinen Forderungen an Compaq heran getreten. Allerdings räumt Frizell ein, dass sich an der Strategie noch etwas ändern könnte, wenn Microsoft dies von Compaq fordere

Der Markting-Chef von Compaq, Kevin Kyle, betonte in einem Interview, dass er es lieber sehen würde, wenn Microsoft für die Platzierung des Icons zahlen würde. Denn: "AOL verhandelt und zahlt für seine Position, Microsoft diktiert sie", so Kevin Kyle.

Davon will Microsoft aber vorerst nichts wissen. Man beharre nur auf die Verträge mit den PC-Herstellern und stehe den Versuchen von AOL, den MSN-Icon vom Desktop zu verbannen, kritisch gegenüber, so Microsoft-Sprecher Varma.

Allerdings will sich Microsoft auch noch andere Optionen offen halten. "Wie AOL könnten wir auch einen Deal mit OEM-Herstellern abschließen, um MSN zu promoten", so der Microsoft-Sprecher Varma. Varma: "Allerdings werden wir nicht wie AOL die OEM-Hersteller dafür bezahlen, andere Anbietern von Internet-Zugängen auszuschließen."

PC-WELT meint:

Bei all dem vielen Gerede bleibt abzuwarten, inwieweit die Konsumenten von den bezahlten Icons profitieren werden. Wird durch ein Werbe-Icon der PC günstiger? Wird er durch zwei Werbe-Icons gar noch günstiger?

Wenn ja - wie viel muss der Anwender für einen PC bezahlen, auf dem Windows XP installiert ist und bei dem ihn nach dem ersten Start ein von Icons prall gefüllter Desktop erwartet? Hier würden sich Icons von Fernsehsendern, Lebensmittel-Discountern, Getränkeherstellern und Tüttensuppen-Machern anbieten plus Bundesliga und Formel 1.

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