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Microsoft droht: Kein Windows mehr für Südkorea

31.10.2005 | 09:52 Uhr |

Microsoft will eventuell Windows in Südkorea vom Markt nehmen, wenn die südkoreanische Wettbewerbsbehörde Korean Fair Trade Commission (KFTC) von den Redmondern fordern sollte, dass einzelne Komponenten des Windows-Betriebssystems nicht mehr enthalten sein dürfen.

Die südkoreanische Wettbewerbsbehörde KFTC untersucht derzeit den in Windows enthaltenen Media Player und die MSN Instant Messaging Software. Die Wettbewerbsbehörde ist der Ansicht, dass konkurrierende Unternehmen es schwer hätten, ihre Produkte zu verkaufen, weil in Windows die beiden Komponenten enthalten sind.

"Wenn die KFTC anordnet, dass Windows für den koreanischen Markt umkonstruiert werden muss oder dass bestimmte Codes entfernt werden müssen, ist es vielleicht nötig, Windows vom Markt zu nehmen oder so lange keine neue Version in Südkorea anzubieten, bis die Verordnung zurückgezogen oder neu verhandelt wird", so Microsoft.

Die KFTC hatte bereits im 2001 mit der Untersuchung begonnen, nachdem das Unternehmen Daum Communications eine Beschwerde eingereicht hatte. Das koreanische Unternehmen betreibt ein populäres Web-Portal und bietet eine eigene Messaging-Software an. Daums Vorwurf lautet, dass Microsoft seine dominante Position bei den Betriebssystemen dafür ausnutzt, um seine Messaging-Software mit Windows zu bündeln. Das würde zu nicht näher bezifferten Verlusten bei Daum führen.

Realnetworks hatte bei der KFTC ebenfalls eine Beschwerde gegen Microsoft eingelegt, diese aber nach einer Einigung mit Microsoft wieder zurückgezogen. Im Rahmen dieser Einigung hatte Microsoft eine Entschädigungszahlung in Höhe von 761 Millionen US-Dollar an Realnetworks gezahlt. Angeblich verhandelt Microsoft auch mit Daum Communications über eine Einigung.

Die KFTC hatte in der vergangenen Woche die letzten Anhörungen zu diesem Thema durchgeführt. Eine Entscheidung der Wettbewerbsbehörde wird in den kommenden Wochen erwartet. Microsoft hatte bei der Anhörung unterstrichen, dass die koreanischen Konsumenten von Windows profitieren würden, weil mehr Applikationen zu niedrigeren Preisen verfügbar seien. Windows hat in Südkorea einen Marktanteil von rund 90 Prozent.

Die KFTC hatte die Entscheidung der Europäischen Kommission im vergangenen Jahr beobachtet. Microsoft war nach fünfjähriger Untersuchung verdonnert worden, eine hohe Strafe zu zahlen und eine Windows-Version auf den Markt zu bringen, die den Windows Media Player nicht enthält.

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