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Microsoft: Vergleich bei Sammelklagen vor dem Aus?

20.12.2001 | 11:11 Uhr |

Durch eine Milliardenspende von Microsoft an amerikanische Schulen sollten mehr als 100 Kartellrechts-Klagen von Privatleuten gegen den Konzern beigelegt werden. Wie es scheint, verschlechtern sich jedoch die Aussichten für Microsoft den Rechtsstreit damit zu den Akten legen zu können, zusehends.

Durch eine Milliardenspende von Microsoft an amerikanische Schulen sollten mehr als 100 Kartellrechts-Klagen von Privatleuten gegen den Konzern beigelegt werden ( wir berichteten ). Wie es scheint, verschlechtern sich jedoch die Aussichten für Microsoft, den Rechtsstreit damit zu den Akten zu legen, zusehends.

Verantwortlich für den Umschwung sind Äußerungen und Einwände einiger Vertreter der Klägerseite. Das Hauptargument: Der ausgearbeitete Vergleich mache aus "Sammelklagen ein Possenspiel", da er völlig darin versage, die eigentlich betroffenen Kläger zu kompensieren. Dies könne dazu führen, dass das zuständige Gericht den Vergleich ablehne, wie das US-Wirtschaftsmagazin Forbes berichtet.

Darüber hinaus bemängeln die dem Vergleich ablehnend gegenüber stehenden Anwälte das Vorgehen der federführenden Anwälte, so Forbes. Sie sollen die für die Kläger entstandenen Schäden und daraus resultierende Forderungen nicht einmal berechnet haben.

Der Hintergrund: Die Kläger werfen dem führenden Softwarekonzern vor, seine Marktmacht missbraucht und Produkte zu überhöhten Preisen verkauft zu haben. Auf Grund eines Kompromissvorschlags wurde der folgende Vergleich ausgehandelt: Demnach soll Microsoft in den kommenden fünf Jahren mehr als 14.000 der ärmsten Schulen in den USA mit Computern und Software ausstatten. Die Übereinkunft würde Microsoft nach ersten Schätzungen rund 1,1 Milliarden Dollar (1,25 Milliarden Euro/2,45 Milliarden Mark) kosten.

Beinahe gänzlich in den Vergessenheit geraten sind indessen die Einwände von Seiten einiger Microsoft-Konkurrenten: Sie beklagen, dass die Microsoft-Spende die Produkte von anderen Unternehmen aus den Schulen dränge und noch zur Festigung seiner Marktmacht beitrage, indem es die Schülerinnen und Schüler frühzeitig an Microsoft-Produkte gewöhne.

Auch konstruktive Vorschläge, wie der des Linux-Distributors RedHat, spielen momentan eine eher untergeordnete Rolle. Der Linux-Distributor empfahl vor kurzem ( wir berichteten ) Microsoft solle lieber ausschließlich in die Hardware für die Schulen investieren. RedHat werde dann Open-Source-Software für alle Schulen kostenlos bereitstellen.

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