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Microsoft, Novell und die Folgen

08.11.2006 | 15:58 Uhr |

Andrew Butler, Vice President Gartner, glaubt an einen echten Willen zur Zusammenarbeit zwischen Microsoft und Novell. Außerdem sieht er zwei neue Lager entstehen: Oracle und Red Hat auf der einen und Novell und Microsoft auf der anderen Seite.

Gartner-Analyst Butler: Das Nachsehen hat Red Hat.
Vergrößern Gartner-Analyst Butler: Das Nachsehen hat Red Hat.
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CW: Warum kam das Abkommen zwischen Microsoft und Novell zustande?

BUTLER: Zunächst einmal hat Microsoft in den vergangenen zwei Jahren eine viel pragmatischere Einstellung zu Linux entwickelt. Außerdem hat man in Redmond inzwischen bemerkt, dass das Linux-Wachstum auf Kosten von Unix und weniger von Windows geht. Und wenn Kompatibilitäten geschaffen werden zwischen Linux und Windows, dürften auch einige Unix-User in die Microsoft-Welt migrieren. Die meisten allerdings werden auf Linux umsteigen. Aber darum geht es Microsoft nicht so sehr. Sie wollen sich als Freunde von Novell und Suse-Linux positionieren. Microsoft hat eingesehen, dass Linux eine wichtige Rolle spielen wird in den Unternehmen und darauf stellen sie sich ein (siehe auch CW-Berichte: Microsoft will jetzt auch an Linux verdienen und Was Microsoft der Novell-Deal kostet ).

CW: Schwächt dieses Abkommen Red Hat?

BUTLER: Ja, absolut. Es gibt jetzt so etwas wie zwei Lager. Auf der einen Seite Oracle und Red Hat, auf der anderen Novell-Suse und Microsoft. Allerdings mit dem Unterschied, dass Red Hat nicht freiwillig mit Oracle zusammenarbeitet. Von Microsoft und Novell ist zu erwarten, dass sie Produkte entwickeln, die zu einer höheren Kompatibilität zwischen Linux und Windows führen.

Die Virtualisierungsprojekte sind nur ein Aspekt davon, auch bei den Management-Tools wird die Kooperation Früchte tragen. Auf der anderen Seite werden Microsoft und Novell weiter Wettbewerber sein - aber nur in Bereichen, in denen Platz für beide ist. Ich nehme an, dass Novell auf Produkte, die direkt mit Microsoft konkurrieren, nicht mehr so viel Wert legen wird. Diese Produkte werden voraussichtlich nicht mehr mit Nachdruck weiter entwickelt.

CW: Der Frieden zwischen Novell und Microsoft beinhaltet auch einen Burgfrieden in Sachen Patenten. Was steckt dahinter?

BUTLER: Novell macht sich schon seit langem stark für Open-Source-Entwickler. Die Microsoft-Garantie, keine Entwickler im Umfeld von Suse-Linux zu verklagen, ist eine Folge davon. Was die Partner aber im Detail bezwecken, ist schwer zu sagen. Es könnte hier Absprachen geben, die bislang nicht an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Deshalb wissen wir auch nicht, welche Patente genau betroffen sind.

CW: Novell ist federführend an der Open-Source-Entwicklung des .Net-Pendants "Mono" beteiligt. Wird der Anbieter dieses Engagement fortsetzen?

BUTLER: Das ist noch nicht bekannt. Ich kann mir aber vorstellen, dass Mono zu den Produkten gehört, die direkt mit Microsoft konkurrieren und deshalb von Novell nicht mehr mit Nachdruck verfolgt werden. (ciw)

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