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Microsoft: Nichts ging mehr

25.01.2001 | 12:04 Uhr |

Am Mittwoch ging bei Microsoft nichts mehr: Stundenlang waren die Website des Softwareriesen nicht mehr zu erreichen. Betroffen waren neben der US-Website und mehreren MS-Diensten auch zahlreiche europäische Ableger.

Am Mittwoch ging bei Microsoft nichts mehr: Stundenlang war die Website des Softwareriesen nicht mehr zu erreichen. Betroffen waren neben der US-Website und mehreren MS-Diensten auch zahlreiche europäische Ableger.

www.microsoft.com war ebenso unerreichbar wie das Webportal msn.com, der Nachrichtensender msnbc.com, der Online-Automarkt carpoint.com, Hotmail und der Reisedienst expedia.com. Und auch in Europa gab es Ausfälle, so zum Beispiel bei microsoft.de.

Bis Mittwochabend (Ortszeit) waren die Probleme teilweise gelöst, doch ließen sich manche Websites wie etwa der Lexikondienst Encarta.com weiterhin nicht öffnen. Auch auf Microsofts eigener Homepage in den USA gab es noch immer Probleme.

Besonders hart dürfte der Ausfall für die rund 60 Millionen Hotmail-Nutzer gewesen sein, denen damit der Zugang zu ihren Mails verwehrt blieb. Im Laufe des Tages ließ sich der Dienst allerdings von den USA aus wieder aufrufen. Bestimmte Links funktionierten jedoch weiterhin nicht und auch aus anderen Ländern gab es Berichte über anhaltende Probleme.

Trotzdem scheinen einige Benutzer - besonders von der Ostküste der USA - während des Tages Zugang zu den betroffenen Seiten erlangt zu haben. Surfer aus Chicago, Austin und San Francisco blieben hingegen ausgesperrt. Auch die Redaktion der PC-WELT konnte am Mittwoch auf die Websites mit dem Sicherheitsbulletin von Microsoft zugreifen. Microsoft.com und microsoft.de blieben für uns jedoch unerreichbar.

Unsere Tests mit dem ping-Befehl ergaben, dass Microsofts-DND-Server jedoch kurzzeitig funktionierten. Inzwischen lassen sich sowohl die US-Website wie auch der deutsche Ableger wieder problemlos erreichen.

Und der Grund für dieses Debakel? Ursprünglich hatte man bei Microsoft eine DoS- Attacke (siehe Glossar) nicht ausschließen wollen, zumal erst kurz zuvor die neuseeländische Seite des Konzern gehackt worden war. Gerüchte um einen erfolgreichen Hackerangriff wurden noch durch Namensbeispiele von Second-Level-Domains verstärkt, die durch whois angezeigt wurden: "microsoft.com.should.give.up.because.linuxisgod.com", "microsoft.com.owned.by.mat.hacksware.com" oder " "microsoft.com.is.nothing.but.a.monster.org". Doch derartige Subdomains bestanden schon länger und sind vermutlich nicht der Grund für die Probleme des Konzerns, wie Experten aus den USA bestätigten.

"Domain-Namen allein können keinen solchen Seitenausfall hervorrufen", meint Martin Fong, leitender Software-Ingenieur am Research Institute SRI International.

Microsoft selbst lässt mittlerweile eine andere Erklärung verlauten: Der Grund für das Desaster sei eine fehlerhafte Routing-Konfiguration, die ein Techniker verursacht habe. Dies gab Adam Sohn, ein Sprecher des Redmonder Software-Riesen, bekannt.

Ein Techniker habe am Dienstagabend um 18.30 (Ortszeit) die Domain-Name-Server von Microsoft gewartet. Dabei konfigurierte er jedoch den für den Datenverkehr zentralen Rechner falsch. Bei Problemen mit den DNS-Servern werden die Nutzer auf falsche Websites geleitet oder erhalten keinen Zugriff.

Ein DNS-Server wandelt den Domain-Namen, hier also zum Beispiel www.microsoft.com, in die IP (Internet Protocol Address) um. Funktioniert diese Umwandlung nicht, kann der gewünschte Server nicht angesteuert werden, obwohl er tatsächlich funktioniert. Genau dies soll beim Microsoft-Fiasko der Fall gewesen sein. Denn dort stehen alle DNS-Server im selben IP-Subnetz (alle beginnen mit 207.46.138). Fällt also der zuständige Router aus, sind mit einem Schlag alle Websites von Microsoft nicht mehr zu erreichen.

Um 17 Uhr am Mittwoch sei der Fehler wieder behoben gewesen, gab Microsoft bekannt. Demnach hätten die fehlerhaften Einstellungen rund 22,5 Stunden bestanden.

Microsoft legt großen Wert darauf zu betonen, dass "dies eine Betriebsstörung sei" und nichts mit der Sicherheit des Microsoft-Netzwerkes zu tun habe. Außerdem brachte das Unternehmen in einem Statement sein Bedauern für diese peinliche Panne zum Ausdruck und entschuldigte sich für den stundenlangen Ausfall bei seinen Nutzern.

Kurz vorher hatten unbekannte Hacker die Website von Microsoft in Neuseeland verunstaltet. Letzte Nacht brach dieselben Hackergruppe auch in die neuseeländische Website von Epson ein. (PC-WELT, 25.01.2001, hc)

Microsoft: Hacks ohne Ende (PC-WELT Online, 24.01.2001)

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